Feuchte Wände FAQ
Fragen und Antworten zu feuchten Wänden
Frage: Bezugnehmend auf diesen aus meiner Sicht sehr informativen Bericht dieser Website möchte ich mich gerne weiter informieren, ob unser Gebäude möglicherweise die Voraussetzungen dazu erfüllt, die durchfeuchteten Wände so zu belassen und die daraus resultierend hohe Luftfeuchtigkeit im EG durch eine Lüftungsanlage zu steuern. Unser Altbau (1883) hat laut Gutachten bis auf 1,50 m Höhe des EGs deutlich feuchte Wände. Das Gebäude ist teilunterkellert, wobei der immer feuchte, nicht belüftete sowie nicht von innen gedämmte Gewölbekeller einen Lehmboden hat. Die Wände bestehen aus 60 cm dickem Bruchsteinmauerwerk, in dem viel Schiefer verarbeitet wurde. Es besteht weder eine Horizontalsperre, noch kann von einer funktionsfähigen Vertikalsperre ausgegangen werden.
Antwort: Wie bereits in dem Artikel dargestellt, ist die Trockenlegung von derart zerklüftetem Bruchsteinmauerwerk schwierig und aufwendig. Bohrlochinjektionsverfahren mit Injektion eines die Kapillarität unterbrechenden Mittels sind hier nicht erste Wahl, da die aufsaugenden Poren eines Ziegelmauerwerks fehlen. Wirklich helfen wird nur das meterweise Ausräumen der Bruchsteine, die Verlegung eines Edelstahlbleches oder einer speziellen Kunststoffbahn und das anschließende Verschließen der Wand unter Einsatz von Quellmörteln. Aber wie gesagt, das ist sehr aufwendig. Eine Möglichkeit sehe ich darin, die Erdgeschosswände zu belassen und die sich einstellende erhöhte Luftfeuchtigkeit durch eine feuchtegesteuerte Lüftungsanlage zu begrenzen. Eine solche Lüftungsanlage wäre auch bei einer funktionierenden Horizontalsperre von Vorteil, da das Bruchsteinmauerwerk eine vergleichsweise schwache wärmedämmende Wirkung besitzt. Es ist daher bei sehr niedrigen Außentemperaturen mit entsprechend niedriger Oberflächentemperatur auf der Innenseite zu rechnen. Das wiederum kann zur Bildung von Tauwasser aus der Raumluft, vornehmlich in Außenwandecken der Räume, führen. Wenn Sie alles so belassen wollen, wie es ist, wäre ein diffusionsoffener Putz (z. B. Trasskalkputz oder Putz mit hydraulischem Kalk) mit hohem pH-Wert sinnvoll. Der Wert gibt an, wie sauer bzw. basisch eine Substanz, z. B. eine Flüssigkeit, reagiert. pH-Werte über 7 zeigen eine basische Reaktion an, unter 7 ist die Lösung sauer. Oberflächen, auf denen Schimmelpilze wachsen, haben in der Regel einen pH-Wert unter 9. Schimmel lässt sich durch einen dauerhaft hohen pH-Wert des Putzes und des Anstriches über 10 (Kalkputz, Kalkanstrich) vermeiden. Das wäre sowohl an der Innen- als auch an der Außenseite der Wand von Vorteil.
Sollte es bereits zu Salzausblühungen gekommen sein, kann auch ein diffusionsoffener Sanierputz (Salzspeicherputz) verwendet werden. In jedem Fall sollten die vorhandenen Fugen der Bruchsteinwand so weit wie möglich ausgeräumt werden. Die Lebensdauer eines solchen Putzes ist abhängig von der Salzlast, kann aber durchaus 10 und mehr Jahre betragen. Als Anstrichstoffe auf dem Putz eignen sich reine Kalk- oder Silikatanstriche. Die erwähnte Lüftungsanlage muss folgende Funktion erfüllen: Absaugung der Raumluft und Transport nach außen immer dann, wenn ein bestimmter Grenzwert überschritten wird. Die Regelung sollte dazu die absolute Luftfeuchtigkeit und Temperatur außen mit der absoluten Luftfeuchtigkeit und Temperatur innen vergleichen. Eine einfache Schwellwert-Regelung nach der relativen Luftfeuchtigkeit ist ungeeignet, da die nachströmende Außenluft unter bestimmten Bedingungen, insbesondere im Sommer, Feuchtigkeit eher importiert.
Ergänzende Frage: Vielen Dank für die Hilfestellung. Wir haben zwischenzeitlich Kontakt zu Installateuren für entsprechende Lüftungsanlagen aufgenommen. Die ersten Termine stehen kurz bevor. Vorbereitend würden uns Ihre Einschätzungen zu ein paar praktischen Punkten sehr interessieren: Im Sommer messen wir im EG bis zu 70 % relative Luftfeuchtigkeit. Ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass dies ein Wertebereich ist, bei dem selbst die Lüftungsanlage keinen nennenswerten Erfolg (Herunterregulierung) mehr erzielen kann? Oder haben Sie vielleicht sogar Praxiserfahrungen, die auch einen solch hohen Wert erfolgreich regulieren konnten? Angenommen 60–70 % sei ein „machbarer" Wertebereich, stelle ich mir vor, dass die Anlage in dieser Zeit dauerhaft „auf Anschlag läuft". Wenn dem so ist, kann eine Regulierung z. B. durch die Ventile erfolgen? Beispielsweise aus Gründen der Energiekosten für die laufende Anlage. Als eine Anforderung nennen Sie „Die Regelung sollte dazu die absolute Luftfeuchtigkeit und Temperatur außen mit der absoluten Luftfeuchtigkeit und Temperatur innen vergleichen." Tut dies die im Artikel beschriebene AERECO-Anlage?
Ergänzende Antwort: Die beschriebene AERECO-Lüftungsanlage ist eine Abluftanlage mit hygrisch geregelten Zuluftventilen. Diese Ventile öffnen bei hoher Raumluftfeuchtigkeit und schließen, wenn die Raumluftfeuchtigkeit zurückgeht. Ein Vergleich mit der Feuchtigkeit der Außenluft erfolgt nicht. Dabei stellt sich bei mir eine durchschnittliche Raumluftfeuchtigkeit von etwa 55 % ein. Im Sommer geht es gelegentlich herauf bis auf 65 %, im Winter sinkt die Raumluftfeuchtigkeit auch mal auf etwa 35 bis 40 % herunter. Meine Lüftungsanlage hat nicht die Aufgabe, die Raumluftfeuchtigkeit zu reduzieren, um unter möglichst allen Verhältnissen eine Kondensatbildung auf der Außenwand auszuschließen. Das ist bei mir schon deshalb nicht erforderlich, weil ich sehr gut gedämmte Hüllflächen besitze (U-Wert der Außenwände kleiner 0,2), eine übermäßige Feuchteanreicherung in den ersten Millimetern der Innenseite der Außenwände auch bei ungünstigen Temperatur- und Feuchteverhältnissen nicht auftritt (Baujahr 2011). Meine Lüftungsanlage hat vorrangig die Aufgabe – abhängig vom nutzungsabhängigen Parameter relative Luftfeuchtigkeit – eine hohe Luftqualität in dem jeweils genutzten Raum zu sichern. Bei Ihnen ist das Ziel jedoch die Trocknung bzw. Trockenhaltung der Natursteinwände. Daher muss vermieden werden (sofern keine baulichen Maßnahmen vorgenommen werden), dass bei ungünstigen Temperatur- und Feuchteeigenschaften die einfließende Lüftungsluft noch mehr Feuchtigkeit einschleppt, als die Raumluft besitzt. Dieser Fall tritt z. B. dann ein, wenn bei vergleichsweise hoher Außenlufttemperatur (sagen wir 30 °C) die Außenluft eine Luftfeuchtigkeit von z. B. 70 % besitzt. Bei diesen Werten befänden sich in der Außenluft eine Wasserdampfmenge von ca. 21 Gramm. Strömt diese Luft in den Raum mit den problematischen Wänden und kühlt sich dabei auf unter 24 °C ab, steigt die relative Luftfeuchtigkeit auf 100 %. Stellen Sie sich vor, was passiert, wenn diese Luft auf die kühleren Natursteinwände mit, sagen wir, 20 °C Oberflächentemperatur trifft. Man würde sagen, die Wand schwitzt. Mit anderen Worten: Die Wand wird feucht. Es ist also nicht hilfreich, wenn Luft in den Raum einströmt, die eine hohe Wasserlast mit sich führt. Das sollte die Regelung, vereinfacht gesagt, regeln können: Hat die Außenluft eine höhere absolute Feuchtigkeit als die Innenluft, dann Lüfter aus. Umgekehrt Lüfter an. Ob eine solche Anlage in der Lage sein wird, Ihre Wohnraumwände signifikant zu trocknen, kann nicht mit Sicherheit beantwortet werden: Niemand kennt die im Mauerwerk aufsteigende Wasserlast. Aber die in ihrer Funktion skizzierte Lüftungsanlage schafft ein erhebliches Trocknungspotenzial, da nur dann Luftfeuchtigkeit abgeführt wird, wenn es sinnvoll ist, und verbessert die Raumqualität auch bei anderen Parametern. Übrigens: Sie können nach dem Einbau einer solchen Anlage auch nach wie vor die Fenster öffnen, besonders wirkungsvoll ist dies dann, wenn die Anlage läuft.
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