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Unterspannbahn - Vordeckung - Unterdach

Zur Rolle des Unterdaches, der Unterspannbahn bzw. der Vordeckung und zur Modernisierung der Dächer im Bestand

#Übersicht

Lage des Unterdaches
Lage des Unterdaches
  • Die zweite Ebene unter der Dacheindeckung wird Unterdach, Unterspannung, Winddichtungsbahn oder Vordeckung genannt. Sie schützt eine Wärmedämmung vor Regen und Flugschnee.
  • Das Unterdach schafft die nötige Winddichtheit der gedämmten Dachkonstruktion, ohne die die Dämmleistung erheblich sinken würde.
  • Ein Unterdach kann sowohl aus einer Gewebefolie, einer Brettschalung mit wasserdichter Beschichtung oder aus wasserabweisenden Holzfaserdämmplatten bestehen. Die Stöße und Überlappungen sind winddicht zu verkleben.
  • Zur Anwendung von Unterdächern werden im Regelwerk des deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH) detaillierte Angaben gemacht.

#Aufbau eines Unterdaches

Typischer Dachaufbau mit regendichtem Unterdach (Unterspannbahn), Abb.: EANRW
Typischer Dachaufbau mit regendichtem Unterdach (Unterspannbahn), Abb.: EANRW

Die Abbildung zeigt den typischen Aufbau eines Unterdaches für ein Ziegeldach mit einer über den Sparren verlegten Unterspannbahn (grünlich). Nach der Verlegung des Unterdaches werden längs über den Sparren 3 bis 4 cm hohe Konterlatten montiert, die den Belüftungsabstand zwischen Unterdach und Dachziegeln sichern. Danach werden Dachlatten dazu im rechten Winkel fixiert, um die trocken verlegten Dachziegel aufzunehmen. Welche Anforderungen an Ausführung und Befestigungen des Unterdaches gestellt werden, hängt von der Unterschreitung der Regeldachneigung ab, die für verschiedene Dachziegel unterschiedlich ist. Genauere Informationen finden Sie auf der Webseite des Forum Holzbau.

Die Verlegung einer Unterspannbahn aus einem diffusionsoffenen Gewebe ist eine Art der Ausführung. Weitere Arten können aus Brettschalungen mit Bitumenbahnen, PVC-Bahnen oder aus Holzfaserdämmplatten bestehen.

Unterdächer können je nach Anspruch, der Art der Eindeckung, der geografischen Lage und abhängig davon, ob später ausgebaut wird, mit verschiedenen Materialien ausgeführt werden. Überwiegend werden seit einigen Jahren Unterspannbahnen aus Kunststoffgeweben verlegt, die eine hohe Diffusionsfähigkeit für Wasserdampf besitzen. Zunehmend werden Unterdächer auch aus imprägnierten Holzfaserdämmplatten verwendet, die verschiedene Vorteile aufweisen.

Einfache Folien gleich welcher Art haben keine geeigneten Eigenschaften, um die Aufgaben eines Unterdaches zu erfüllen.

#Welche Aufgaben hat das Unterdach?

ca. 50 Jahre altes Dach Biberschwanz, vermörtelt
ca. 50 Jahre altes Dach Biberschwanz, vermörtelt

Dächer mit Dachziegeln werden seit einigen Jahrzehnten überwiegend trocken verlegt, also nicht mehr vermörtelt. Zur Verbesserung der

  • Sicherheit gegen Flugschnee und treibenden Regen,
  • Ableitung von Wasser bis in die Rinnenanlage,
  • Sicherheit gegen eindringende, staatenbildende Insekten sowie
  • als Witterungsschutz in der Phase Dachöffnung, Dacheindeckung bzw. Reparatur

erhalten Wohnhäuser daher heute zumeist ein Unterdach, unabhängig davon, ob später ausgebaut wird oder nicht.

Wird das Dachgeschoss ausgebaut und mit einer Zwischensparrendämmung versehen, muss das Unterdach eine winddichte Ebene oberhalb der Dämmstoffe bilden. Dämmstoffe dürfen nicht mit Außenluft durchströmt werden, da die Dämmleistung merklich nachlassen würde. Bei Dachdämmungen, die eingeblasen werden, dient das Unterdach (hier z. B. Holzfaserdämmplatten) sogar als „verlorene Schalung".

#Welche Eigenschaften soll das Material des Unterdaches haben?

Wird das Dach komplett neu eingedeckt, kann vorher festgelegt werden, welche bauphysikalischen Eigenschaften das künftige Unterdach aufzuweisen hat. Wird nicht gedämmt, sind keine besonderen Anforderungen, außer der Diffusionsfähigkeit und Dichtheit gegen Regen und Flugschnee, zu beachten. Soll jedoch gedämmt werden, muss gewährleistet sein, dass eventuell in der Dämmung vorhandener Wasserdampf nach außen, also durch das Material des Unterdaches, abgeführt wird. Wichtig: Dem ausführenden Betrieb sind daher klare Vorgaben zu machen, was beabsichtigt ist.

  1. Die wichtigste Eigenschaft für die Auswahl eines Unterdachmaterials steckt im sd-Wert, der möglichst kleiner als 0,2 m (m steht für Meter) sein sollte. Mit dem Wert wird gekennzeichnet, welchen Widerstand das Unterdachmaterial einem Wasserdampftransport von innen nach außen entgegenbringt. Ist der Widerstand sehr klein, also der sd-Wert niedrig, ist das Material diffusionsoffen. Dann kommt es nicht zu einem „Stau" der Wasserdampfmoleküle, der eine Wasser-Tropfenbildung nach sich ziehen könnte. Das Material vor dem Unterdach (von innen nach außen gesehen), z. B. eine Dämmschicht, bleibt trocken. Der sd-Wert ist ein in den Materialbeschreibungen der Hersteller angegebener Wert und sollte in keinem Angebot fehlen. Besonders niedrige Werte bis zu 0,02 m erreichen spezielle Gewebe aus Polypropylen. Eine ausführliche Information zur Wasserdampfdiffusion finden Sie auf dieser Webseite hier.
Holzfaserdämmplatten als Unterdach mit geringem sd-Wert
Holzfaserdämmplatten als Unterdach mit geringem sd-Wert
  1. Eine weitere wichtige Entscheidungsgröße ist die Standhaftigkeit gegen Regen, Schnee und UV-Strahlung während der Bauphase. Als Behelfsdeckung sollte eine Unterdeckung mindestens etwa 6 Wochen ohne Schäden überstehen und schlagregendicht sein. Einige Produkte lassen eine Freibewitterung sogar bis zu 4 und mehr Monaten zu. Hier machen spezielle Gewebe aus Polypropylen eine gute Figur. Die maximale Dauer einer Freibewitterung lässt sich wie der sd-Wert aus den Datenblättern der Hersteller entnehmen. Bei einem Auftrag an ein ausführendes Unternehmen sollte diese Eigenschaft vertraglich vereinbart werden.
Unterspannbahn aus Polyethylen-Spinnvlies, diffusionsoffen sd=0,15m
Unterspannbahn aus Polyethylen-Spinnvlies, diffusionsoffen sd=0,15m
  1. Ein Unterdach sollte eine hohe Winddichtheit gewährleisten. Das ist insbesondere wichtig für den Fall eines späteren Dachgeschossausbaus, der eine Wärmedämmung voraussetzt. Mangelnde Winddichtheit führt zu einer Durchströmung der Dämmschichten mit kalter Außenluft. Das reduziert die Dämmleistung und zieht das Risiko einer Durchfeuchtung durch kondensierenden Wasserdampf nach sich.
Verlegen eines Unterdaches aus Holzfaserdämmplatten
Verlegen eines Unterdaches aus Holzfaserdämmplatten
  1. Eine sehr gute Winddichtheit wird mit einem Unterdach aus Holzfaserdämmplatten erreicht. Die speziell für Unterdächer konzipierten Dämmplatten haben Nut-Feder-Dichtungen, die eine hohe Winddichtheit zulassen. Dennoch sollten die Platten am Stoß mit einem speziellen Klebeband angeklebt werden. Unter die Konterlatte gehört ein Nageldichtband. Holzfaserdämmplatten mit einer Stärke ab 4 cm sind gut begehbar und lassen eine einfache Montage durch komfortable Verlegung im Endlosverband zu. Die Dämmstoffplatten aus Holzfasern verbessern die Wärmedämmung und verringern die Wirkung von Wärmebrücken der Sparren (Holzbalken). Die wasserabweisende Wirkung der Holzfaserplatten wird durch den Zusatz von Latex, Naturharz, Paraffin u. a. Zusatzstoffen erzielt. Ein aussagekräftiges Video zur Verarbeitung von Holzfaserdämmplatten finden Sie hier:

Nicht nur feuchte Dämmschichten, auch solche, durch die der Wind fegt, haben kaum noch eine wärmedämmende Wirkung.

#Empfehlenswerte Holzfaserdämmplatten

Bei einem diffusionsoffenen Unterdach mit Holzfaserdämmplatten können einblasfähige Dämmstoffe (Zellulose, Holzfasern) in Sparrenhöhe eingeblasen werden. Das führt bei entsprechender Einblasstärke und sorgfältiger Arbeit zu einer winddichten, lückenlosen Wärmedämmung. Die Wärmeleitfähigkeit der Holzfaserdämmplatten liegt bei etwa 0,04 W/mK. Ausführliche Informationen finden Sie im Steckbrief hier auf dieser Seite unter Holzfaserdämmplatten.

Einblasdämmung aus Zellulosefasern, Unterdach Holzfaserdämmplatte, raumseitig OSB-Platte
Einblasdämmung aus Zellulosefasern, Unterdach Holzfaserdämmplatte, raumseitig OSB-Platte

Ab etwa 40 mm Stärke haben Holzfaserdämmplatten je nach Zulassung auch aussteifende Wirkung, sodass dann Windrispenbänder o. Ä. nicht erforderlich sind. Auch der sommerliche Wärmeschutz kann sich sehen lassen, weil die vergleichsweise hohe Masse der Holzfaserdämmplatte zu einem verlangsamten Wärmetransport von außen nach innen führt. Der Schallschutz ist aufgrund der porösen Plattenstruktur mit hohem Flächengewicht verbessert gegenüber leichten Konstruktionen mit Gewebe und mattenartigen Dämmstoffen. Holzfaserdämmplatten für das Unterdach sollten mindestens 4 cm stark sein.

Bei einer Neu- bzw. Umdeckung des Daches empfehle ich, Holzfaserdämmplatten mit mehr als 40 mm Dicke für das die Sparren überdeckende Unterdach einzusetzen. Bei entsprechender Stärke „überdämmen" Holzfaserdämmplatten wegen ihrer wärmedämmenden Wirkung die Sparren und kompensieren so die Wärmebrücke Holzbalken. Die Holzfaserdämmplatten bilden den äußeren Abschluss einer unbelüfteten Dämmschicht und sind für alle infrage kommenden Dämmstoffe geeignet. Während des Dachaufbaus kann eine Unterdeckung mit Holzfaserdämmplatten für etwa 6 Wochen ein regendichtes Unterdach bereitstellen. Durch die Verlegung der Platten im schleppenden Verband mit Nut und Feder wird eine hohe Winddichtheit erzielt. Die Holzfaserdämmplatte stellt auch eine verlorene Schalung dar, falls für die Zwischensparrendämmung ein einblasfähiger Dämmstoff (Holzfaser, Zellulose) gewählt wird.

Für das Unterdach sind auch andere Materialien verwendbar. Die sogenannte Unterspannbahn mit geringem Diffusionswiderstand (sd-Wert) wird über den Sparren verlegt. Der Wärmedämmstoff kann von innen ohne Hinterlüftung bis an die Unterspannbahn heran verlegt werden. Das Einblasen von Dämmstoffen ist bei einer Unterspannbahn möglich, wird aber nicht empfohlen. Ausführlich können Sie sich zur Unterdeckung hier informieren.

Moderne und feuchtesichere Dächer werden mit diffusionsoffenen Unterdächern errichtet.

#Dächer im Bestand

Älteres Dach mit Biberschwanzziegeln gedeckt
Älteres Dach mit Biberschwanzziegeln gedeckt

Im Bestand muss sich der Ausbauende mit dem beschäftigen, was da ist.

  1. Ist nichts da, man sieht also die Ziegel von der Unterseite, ist die erste Frage: Lohnt sich ein Dachgeschossausbau mit der alten Eindeckung?
  • Nein: Wenn die alte Eindeckung nichts mehr taugt und sowieso in drei, vier Jahren dran ist, steht die Komplettmodernisierung des Daches an. Also modernes diffusionsoffenes Unterdach vorsehen, am besten mit Holzfaserdämmplatten ...
  • Ja: Die Ziegel halten mindestens noch 10 Jahre. Gibt es eine Methode, mit der die Funktion einer Unterspannbahn zur Erzielung der Winddichtheit und dem Schutz vor Regen, Flugschnee und berstenden Ziegeln nachträglich hergestellt werden kann? Die gibt es, aber man muss wissen, dass der Aufwand sehr groß ist und das Ergebnis nicht 100%ig zufriedenstellend ist.
Nachträglicher Einbau einer Unterspannbahn von innen
Nachträglicher Einbau einer Unterspannbahn von innen
nachträglicher Einbau einer Holzfaserdämmplatte als Unterdach
nachträglicher Einbau einer Holzfaserdämmplatte als Unterdach
  1. Es ist eine Folie da. Es sieht aus wie ein Unterdach. Aber kennen wir die Eigenschaften? Nein. Leider steht ein sd-Wert meist nicht auf dem Material. Oftmals hilft auch keine Recherche im Netz. Eine Rechnung enthält kaum die benötigten Informationen. In der Praxis finden wir zwar Unterspannbahnen aus speziellem wasserabweisendem Gewebevlies (mit einem sd-Wert um 0,05 m), aber weitaus mehr haben wir es mit einfachen armierten Folien mit deutlich geringerer Diffusionsfähigkeit (sd-Werte bis 100 m und mehr) zu tun.
Unterdach aus einer armierten Folie mit hohem Dampfdiffusionswiderstand
Unterdach aus einer armierten Folie mit hohem Dampfdiffusionswiderstand

Armierte Folien-Bahnen: Man sollte davon ausgehen, dass Vordeckungen aus Nicht-Gewebe-Folien aller Art, die vor dem Jahr 2000 verlegt worden sind, nur in Ausnahmefällen ausreichend diffusionsoffene Eigenschaften aufweisen. Letztere können für eine Dämmung zwischen den Sparren nur dann genutzt werden, wenn eine feuchtevariable Dampfbremse auf der Warmseite (Raumseite) zum Einsatz kommt. In jedem Fall muss das gedämmte Dach eine hohe Luftdichtheit aufweisen.

Achtung: Eine Lösung mit Luftspalt zwischen Dämmstoff und Folie führt zur Durchströmung des Dämmstoffes, da nur mattenartige Dämmstoffe, z. B. Mineralwolle, verwendet werden können. Eine sichere Funktion belüfteter Lösungen verlangt außerdem, dass die Hinterströmungsluft sicher an der Traufe einströmen und am First wieder ausströmen kann. Das kann oft nicht gewährleistet werden!

Unterdach als Brettschalung mit Bitumenbahn von außen
Unterdach als Brettschalung mit Bitumenbahn von außen

Brettschalungen/OSB-Platten: In Gegenden mit häufigen Wetterkapriolen, hohen Windlasten und viel Flugschnee wurden bzw. werden auch Brettschalungen oder OSB-Platten verlegt, die mit Bitumenpappe bzw. ähnlichen Bahnen versehen sind. Bei diesen Vordeckungen sind die Eigenschaften nicht ersichtlich und gehen auch oftmals nicht aus den Rechnungen hervor. Aus Sicherheitsgründen sollte dann von einem Unterdach ausgegangen werden, das als nicht diffusionsoffen anzusehen ist. Der Einbau einer Wärmedämmung im Dach (Dachausbau) bedarf dann einer besonders sorgfältigen Planung und Überwachung des Baugeschehens. Vor allem hat dies Konsequenzen für die Auswahl der auf der warmen Seite der Konstruktion geeigneten Luftdichtheitsebene (Dampfbremse). Hier ist wie bei den armierten Kunststofffolien unbedingt der luftdichte Einbau einer Dampfbremse mit feuchtevariablen Eigenschaften erforderlich.

#Vermeidbare Mängel

Abbildung Bewertung
Bei Stärken der Holzfaserdämmplatte unter 4 cm besteht die Gefahr, dass die Nut-Feder-Verbindungen aufgetreten werdenGefahr des Auftretens Bei Stärken der Holzfaserdämmplatte unter 4 cm besteht die Gefahr, dass die Nut-Feder-Verbindungen aufgetreten werden
Zerfall einer Unterspannbahn durch UV-Strahlung durch DachflächenfensterGefahr des Zerfalls Zerfall einer Unterspannbahn durch UV-Strahlung (Dachflächenfenster)
unsachgemäßer, nachträglicher Einbau einer dampfundurchlässigen Foliefalsche Unterspannbahn unsachgemäßer, nachträglicher Einbau einer dampfundurchlässigen Folie*

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