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Unterspannbahn - Vordeckung - Unterdach

Zur Rolle des Unterdaches, der Unterspannbahn bzw. der Vordeckung und zur Modernisierung der Dächer im Bestand

Dächer mit Dachziegeln werden seit einigen Jahrzehnten überwiegend trocken verlegt, also nicht mehr vermörtelt. Zur Verbesserung der Winddichtheit, zur Sicherheit gegen Flugschnee und als Schutz in der Phase Dacheindeckung bzw. Reparatur erhalten Wohnhäuser daher zumeist ein Unterdach, unabhängig davon, ob später ausgebaut wird oder nicht.

Unterdächer können je nach Anspruch, der Art der Eindeckung und abhängig davon, ob später ausgebaut wird, mit verschiedenen Materialien ausgeführt werden. Überwiegend werden seit einigen Jahren Unterspannbahnen aus Kunststoffgeweben verlegt, die eine hohe Diffusionsfähigkeit für Wasserdampf besitzen. Zunehmend werden Unterdächer auch aus imprägnierten Holzfaserdämmplatten verwendet, die verschiedene Vorteile aufweisen.

Einfache Folien gleich welcher Art haben keine geeigneten Eigenschaften, um die Aufgaben eines Unterdaches zu erfüllen.

Typischer Dachaufbau mit regendichtem Unterdach (Unterspannbahn)

Die Abbildung zeigt den typischen Aufbau eines Unterdaches für ein Ziegeldach mit einer über den Sparren verlegten Unterspannbahn (grünlich). Die Unterspannbahn wird auch oft als Unterdeckbahn oder Winddichtungsbahn bezeichnet. Entscheidend sind die bauphysikalischen Eigenschaften, zu denen wir später kommen. Bei einem Unterdach mit Unterspannbahn wird die Unterspannbahn mit den Konterlatten fixiert. Die Konterlatten mit einer Höhe von 3 bis 4 cm ermöglichen die Belüftung über dem Unterdach bzw. unter den Dachziegeln. Die Dachlatten sind horizontal auf den Konterlatten fixiert, um die trocken verlegten Dachziegel aufzunehmen. Welche Anforderungen an Ausführung und Befestigungen des Unterdaches gestellt werden, hängt von der Unterschreitung der Regeldachneigung ab, die für verschiedene Dachziegel unterschiedlich ist. Genauere Informationen finden Sie auf der Webseite des Forums Holzbau

#Welche Aufgaben hat das Unterdach?

Ein Unterdach hat die Aufgabe, in der Bauphase und bei kurzzeitigen Dachöffnungen die Regendichtheit zu gewährleisten. Außerdem muss es während der Lebensdauer Tauwasser von eingedrungenem Flugschnee oder eindringendem Regenwasser sicher nach unten zur Rinne ableiten. Wird das Dachgeschoss ausgebaut und mit einer Zwischensparrendämmung versehen, muss das Unterdach auch noch eine winddichte Ebene gegenüber Dämmstoffen bilden, damit diese nicht mit Außenluft durchströmt werden. Bei Dachdämmungen, die eingeblasen werden, dient das Unterdach (hier z.B. Holzfaserdämmplatten) sogar als "verlorene Schalung".

Wird das Dach komplett neu eingedeckt, kann vorher festgelegt werden, welche bauphysikalischen Eigenschaften das künftige Unterdach aufzuweisen hat. Wird nicht gedämmt, sind keine besonderen Anforderungen, außer der Diffusionsfähigkeit und Dichtheit gegen Regen und Flugschnee, zu beachten. Soll jedoch gedämmt werden, muss gewährleistet sein, dass eventuell in der Dämmung vorhandener Wasserdampf nach außen, also durch das Material des Unterdaches, abgeführt wird. Wichtig: Dem ausführenden Betrieb sind daher klare Vorgaben zu machen, was beabsichtigt ist.

#Welche Eigenschaften soll das Material haben?

  1. Die wichtigste Eigenschaft für die Auswahl eines Unterdachmaterials steckt im sd-Wert, der möglichst kleiner als 0,2 m (m steht für Meter) sein sollte. Mit dem Wert wird gekennzeichnet, welchen Widerstand das Unterdachmaterial einem Wasserdampftransport von innen nach außen entgegenbringt. Ist der Widerstand sehr klein, also der sd-Wert niedrig, ist das Material diffusionsoffen. Dann kommt es nicht zu einem "Stau" der Wasserdampfmoleküle, der eine Wasser-Tropfenbildung nach sich ziehen kann. Das Material vor dem Unterdach (von innen nach außen gesehen), z.B. eine Dämmschicht, bleibt trocken. Der sd-Wert ist ein in den Materialbeschreibungen der Hersteller angegebener Wert und sollte in keinem Angebot fehlen. Besonders niedrige Werte bis zu 0,02 m erreichen spezielle Gewebe aus Polypropylen. Eine ausführliche Information zur Wasserdampfdiffusion finden Sie auf dieser Webseite hier
  2. Eine weitere wichtige Entscheidungsgröße ist die Standhaftigkeit gegen Regen, Schnee und UV-Strahlung während der Bauphase. Als Behelfsdeckung sollte eine Unterdeckung mindestens etwa 6 Wochen ohne Schäden überstehen. Einige Produkte lassen eine Freibewitterung sogar bis zu 4 und mehr Monaten zu. Hier machen spezielle Gewebe aus Polypropylen eine gute Figur. Die maximale Dauer einer Freibewitterung lässt sich wie der sd-Wert aus den Datenblättern der Hersteller entnehmen. Bei einem Auftrag an ein ausführendes Unternehmen sollte diese Eigenschaft vertraglich vereinbart werden.
Holzfaserdämmplatten als Unterdach
Holzfaserdämmplatten als Unterdach
  1. Ein Unterdach sollte außerdem eine hohe Winddichtheit gewährleisten. Das ist insbesondere wichtig für den Fall eines späteren Dachgeschossausbaus, der eine Wärmedämmung voraussetzt. Mangelnde Winddichtheit führt zu einer Durchströmung der Dämmschichten mit kalter Außenluft. Das reduziert die Dämmleistung und zieht das Risiko einer Durchfeuchtung durch kondensierenden Wasserdampf nach sich. Eine sehr gute Winddichtheit wird mit einem Unterdach aus Holzfaserdämmplatten erreicht. Die speziell für Unterdächer konzipierten Dämmplatten haben Nut-Feder-Dichtungen, die eine hohe Winddichtheit zulassen. Holzfaserdämmplatten mit einer Stärke ab 4 cm sind darüber hinaus gut begehbar und lassen eine einfache Montage durch komfortable Verlegung im Endlosverband zu. Die Dämmstoffplatten aus Holzfasern stellen einen zusätzlichen Beitrag zur Wärmedämmung dar und verringern die Wirkung von Wärmebrücken, wie sie Holzbalken darstellen. Die wasserabweisende Wirkung wird durch den Zusatz von Latex, Naturharz, Paraffin u.a. Zusatzstoffen erzielt. Ein aussagekräftiges Video zur Verarbeitung von Holzfaserdämmplatten finden Sie hier: https://www.youtube.com/watch?v=3tCGSohtvug

Nicht nur feuchte Dämmschichten, auch solche, durch die der Wind fegt, haben kaum noch eine wärmedämmende Wirkung.

#Welche Dämmstoffe eignen sich für welche Unterdachmaterialien?

  1. Bei einem diffusionsoffenen Unterdach mit Holzfaserdämmplatten (sd-Wert ca. 0,2 m) können einblasfähige Dämmstoffe (Zellulose, Holzfasern) in Sparrenhöhe eingebracht werden. Das führt bei entsprechender Einblasstärke und sorgfältiger Arbeit zu einer winddichten, lückenlosen Wärmedämmung. Die Wärmeleitfähigkeit liegt bei etwa 0,04 W/mK, sodass jeder Zentimeter mehr die Wärmedämmung des Daches deutlich verbessert.
Einblasdämmung aus Zellulosefasern, Unterdach Holzfaserdämmplatte, raumseitig OSB-Platte
Einblasdämmung aus Zellulosefasern, Unterdach Holzfaserdämmplatte, raumseitig OSB-Platte
  1. Bei einem diffusionsoffenen Unterdach mit Holzfaserdämmplatten (sd-Wert ca. 0,2 m) können einblasfähige Dämmstoffe (Zellulose, Holzfasern) in Sparrenhöhe eingebracht werden. Das führt bei entsprechender Einblasstärke und sorgfältiger Arbeit zu einer winddichten, lückenlosen Wärmedämmung. Die Wärmeleitfähigkeit liegt bei etwa 0,04 W/mK, sodass jeder Zentimeter mehr die Wärmedämmung des Daches deutlich verbessert.
Bei Stärken unter 4 cm besteht die Gefahr, dass die Nut-Feder-Verbindungen auftreten
Bei Stärken unter 4 cm besteht die Gefahr, dass die Nut-Feder-Verbindungen auftreten.

Ab etwa 40 mm Stärke haben Holzfaserdämmplatten je nach Zulassung auch aussteifende Wirkung, sodass dann Windrispenbänder o.ä. nicht erforderlich sind. Auch der sommerliche Wärmeschutz kann sich sehen lassen, weil die vergleichsweise hohe Masse der Holzfaserdämmplatte zu einem verlangsamten Wärmetransport von außen nach innen führt. Der Schallschutz ist aufgrund der porösen Plattenstruktur mit hohem Flächengewicht verbessert gegenüber leichten Konstruktionen mit Gewebe und mattenartigen Dämmstoffen. Holzfaserdämmplatten für das Unterdach sollten mindestens 4 cm stark sein.

#Dächer im Bestand

Im Bestand muss sich der Ausbauende mit dem beschäftigen, was da ist.

  1. Ist nichts da, man sieht also die Ziegel von der Unterseite, ist die erste Frage: Lohnt sich ein Dachgeschossausbau mit der alten Eindeckung?
  • Nein: Wenn die alte Eindeckung nichts mehr taugt und sowieso in drei, vier Jahren dran ist, steht die Komplettmodernisierung des Daches an. Also modernes diffusionsoffenes Unterdach vorsehen, am besten mit Holzfaserdämmplatten...
  • Ja: Die Ziegel halten mindestens noch 10 Jahre. Gibt es eine Methode, mit der die Funktion einer Unterspannbahn zur Erzielung der Winddichtheit und dem Schutz vor Regen, Flugschnee und berstenden Ziegeln nachträglich hergestellt werden kann? Die gibt es, aber man muss wissen, dass der Aufwand sehr groß ist und das Ergebnis nicht 100 %ig zufriedenstellend ist.
Nachträglicher Einbau einer Unterspannbahn von innen
Nachträglicher Einbau einer Unterspannbahn von innen
  1. Es ist eine Folie da. Es sieht aus wie ein Unterdach. Aber kennen wir die Eigenschaften? Nein. Leider steht ein sd-Wert meist nicht auf dem Material. Oftmals hilft auch keine Recherche im Netz. Eine Rechnung enthält kaum die benötigten Informationen. In der Praxis finden wir zwar Unterspannbahnen aus speziellem wasserabweisendem Gewebeflies (mit einem sd-Wert um 0,05 m), aber weitaus mehr haben wir es mit einfachen armierten Folien mit deutlich geringerer Diffusionsfähigkeit (sd-Werte bis 100 m und mehr) zu tun.
Unterdach aus einer armierten Folie mit hohem Dampfdiffusionswiderstand

Armierte Folien-Bahnen: Man sollte davon ausgehen, dass Vordeckungen aus Nicht-Gewebe-Folien aller Art, die vor dem Jahr 2000 verlegt worden sind, nur in Ausnahmefällen ausreichend diffusionsoffene Eigenschaften aufweisen. Letztere können für eine Dämmung zwischen den Sparren nur dann genutzt werden, wenn eine feuchtevariable Dampfbremse auf der Warmseite (Raumseite) zum Einsatz kommt. In jedem Fall muss das gedämmte Dach eine hohe Luftdichtheit aufweisen.
Achtung: Eine Lösung mit Luftspalt zwischen Dämmstoff und Folie führt zur Durchströmung des Dämmstoffes, da nur mattenartige Dämmstoffe, z.B. Mineralwolle, verwendet werden können. Eine sichere Funktion belüfteter Lösungen verlangt außerdem, dass die Hinterströmungsluft sicher an der Traufe einströmen und am First wieder ausströmen kann. Das kann oft nicht gewährleistet werden!

Brettschalungen/ OSB-Platten: In Gegenden mit häufigen Wetterkapriolen, hohen Windlasten und viel Flugschnee wurden bzw. werden auch Brettschalungen oder OSB-Platten verlegt, die mit Bitumenpappe bzw. ähnlichen Bahnen versehen sind. Bei diesen Vordeckungen sind die Eigenschaften nicht ersichtlich und gehen auch oftmals nicht aus den Rechnungen hervor. Aus Sicherheitsgründen sollte dann von einem Unterdach ausgegangen werden, das als nicht diffusionsoffen anzusehen ist. Der Einbau einer Wärmedämmung im Dach (Dachausbau) bedarf dann einer besonders sorgfältigen Planung und Überwachung des Baugeschehens. Vor allem hat dies Konsequenzen für die Auswahl der auf der warmen Seite der Konstruktion geeigneten Luftdichtheitsebene (Dampfbremse). Hier ist wie bei den armierten Kunststofffolien unbedingt der luftdichte Einbau einer Dampfbremse mit feuchtevariablen Eigenschaften erforderlich.

#Mein Fazit

  • Zur Anwendung von Unterdächern wird im Regelwerk des deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH) detailliert Angaben gemacht.
  • Moderne und feuchte-sichere Dächer werden mit diffusionsoffenen Unterdächern errichtet.
  • Besonders gute Eigenschaften besitzen Unterdächer aus Holzfaserdämmplatten.

Autor: now