Dach- und/oder Dachbodendämmung?
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Dachdämmung: Dämmung der obersten Geschossdecke bei unbeheiztem Dach oder Dämmung der Hüllfläche bei beheiztem Dachgeschoss?

#Übersicht
- Das wärmegedämmte Dach ist ein wesentliches Element eines sparsamen und behaglichen Wohnhauses. Der Anteil der Wärmeverluste am gesamten Haus beträgt je nach Ausbau etwa 20 bis 40%.
- Die Wärmedämmung im Dach bildet die obere Grenzfläche zwischen dem beheizten und dem unbeheizten Teil des Hauses. Alle Grenzflächen sind so zu dämmen, dass ein U-Wert von etwa 0,2 W/m²K erreicht wird.
- Wird der Dachraum nicht ausgebaut, gehört die Dämmschicht auf bzw. unter die oberste Geschossdecke.
- Wird der Dachraum bewohnt und beheizt, sind die Grenzflächen nach oben und zu den Seiten bestmöglich zu dämmen und luftdicht abzuschließen.
- Ein bereits ausgebautes und beheizbares Dachgeschoss kann durch eine nachträgliche Verbesserung der Wärmedämmung wärmetechnisch aufgewertet werden.
- Ausbaumängel haben im Dachgeschoss das Potential schwerwiegender Bauschäden.
#Gesetzliche Vorgaben zur Dämmung im Dach
Im Gebäudeenergiegesetz werden in der Anlage Anlage 7 (zu § 48) die Höchstwerte der Wärmedurchgangskoeffizienten von Außenbauteilen bei Änderung an bestehenden Gebäuden angegeben. Für nachfolgenden Einbausituationen in Wohngebäuden gilt ein einzuhaltender U-Wert von U = 0,24 W/(m2·K):
Gegen Außenluft abgrenzende Dachflächen einschließlich Dachgauben sowie gegen unbeheizte Dachräume abgrenzende Decken (oberste Geschossdecken) und Wände (einschließlich Abseitenwände):
- Ersatz oder Neuaufbau einer Dachdeckung einschließlich der darunter liegenden Lattungen und Verschalungen oder
- Aufbringen oder Erneuerung von Bekleidungen oder Verschalungen oder Einbau von Dämmschichten auf der kalten Seite von Wänden oder
- Aufbringen oder Erneuerung von Bekleidungen oder Verschalungen oder Einbau von Dämmschichten auf der kalten Seite von obersten Geschossdecken
Dafür ist überschlägig eine minimale Dämmstoffdicke von 14 bis 16 cm erforderlich. Bei Inanspruchnahme von Fördermitteln der KFW-Förderbank liegt der einzuhaltende U-Wert niedriger.
Optimale Behaglichkeit und geringster Heizwärmeverbrauch stellen sich aber erst bei Dämmstoffstärken von deutlich mehr als 20 cm ein. Erst ab 30 cm Stärke eines lückenlos und luftdicht verlegten Dämmstoffes mit hoher Wärmekapazität ist auch die sommerliche Aufheizung nicht mehr das Problem.
#Verschiedene Möglichkeiten der zusätzlichen Dämmung
| Fall | Beschreibung |
|---|---|
| Fall 1: Dämmung der obersten Geschossdecke von oben - die Dämmung erfolgt unmittelbar auf dem Dachboden (ausrollen, legen, aufblasen, schütten), wenn es sich um eine hohlkörperfreie Betondecke handelt, die nicht unterlüftet werden kann; Der Dachboden wird nicht ausgebaut. ---> Zu den verschiedenen Möglichkeiten der Dachbodendämmung, dem Aufbau und der Ausführung erläutere ich alles Wichtige im Abschnitt Wärmegedämmte oberste Geschossdecke. | |
| Fall 2: Dämmung oberste Geschossdecke von unten - die Dämmung erfolgt von unten, wenn eine Durchlüftung der Decke möglich ist; Anwendung vorzugsweise bei Holzbalkendecken oder Hohlkörper-Betondecken; der Dachboden wird nicht ausgebaut. Ausführlich in Wärmegedämmte oberste Geschossdecke. | |
| Fall 3: Dämmung unter den Sparren - möglich, wenn die Dachdeckung in Ordnung und der Dachraum hoch genug ist; es wird empfohlen zunächst eine diffusionsoffene Unterspannbahn unter den Sparren einzuziehen, worauf die Wärmedämmung lückenlos aufmontiert wird; raumseitig wird eine feuchtevariable Dampfbremse aufgezogen; der Dachboden kann ausgebaut werden. | |
| Fall 4: Dämmung zwischen den Sparren - möglich, wenn die Dachdeckung in Ordnung und der Dachraum hoch genug ist; es wird empfohlen eine diffusionsoffene Unterspannbahn von Sparren zu Sparren zu spannen, die Wärmedämmung erhält raumseitig eine feuchtevariable Dampfbremse; der Dachboden kann ausgebaut werden. Zwischensparrendämmung | |
| Fall 5: Das Dachgeschoss ist bereits ausgebaut; eine zusätzliche Wärmedämmung ist raumseitig, zwischen den Sparren (Schüttung, einblasen) oder auf dem Dach (Aufdachdämmung) möglich | |
| Fall 6: Das Dachgeschoss ist bereits ausgebaut; eine zusätzliche Wärmedämmung ist raumseitig oder zwischen den Sparren (Schüttung, einblasen) nicht möglich; Über den Sparren kann eine zusätzliche Aufsparrendämmung (Holzfaserdämmplatten, PU-Schaum) verlegt werden, da in vielen Fällen die Höhe der Sparren für eine vernünftige Dämmstoffhöhe nicht ausreichen wird. |
Wie man sieht, ist die Art und Weise des Ausbaus abhängig vom Zustand des Daches und davon, ob der Dachboden ausgebaut und beheizt oder nur als Speicher oder Trockenraum genutzt wird. Die Fehlerhäufigkeit zeigt an, dass der Ausbau gut durchdacht und sorgfältig ausgeführt werden muss. Es ist keineswegs so, dass die Arbeiten im Dachgeschoss nichts für Laien seien. Im Gegenteil: Laien haben Zeit, Laien lesen vorher und haben keine eingefahrenen Abläufe. Fachhandwerker, wie Dachdecker oder Trockenbauer, haben dagegen meist feste Auffassungen und begehen häufig systematische Fehler - und sie haben meist keine Zeit. Ein hohes Bauschadensrisiko hat z.B. die Sache mit nicht eingehaltener Luftdichtheit und eine falsch verlegte Dampfbremse.
Also, eine Wärmedämmung innerhalb des Hauses auf der obersten Geschossdecke oder in der Dachschräge – zu verlegen ist nicht nur für den Laien möglich, sondern empfehlenswert. Allerdings ist es entgegen zahlreich verbreiteter „do it yourself“-Anleitungen alles andere als einfach, immer die richtigen Entscheidungen zu treffen.
#Dachgeschoss wird nicht ausgebaut

Bleibt das gesamte Dachgeschoss unausgebaut, und damit auch unbeheizt, gehört die Wärmedämmung immer auf den Dachboden. Sichtbar bleiben, wenn man von innen schaut, die Unterspannbahn bzw. Unterdeckung, oder wo es keine gibt, die Dachziegel. In diesem Fall bleibt es über der Wärmedämmung im Winter kalt. Der Dachraum kann und sollte mit Außenluft belüftet werden können. Da Frostgefahr über der Dämmschicht besteht, ist ggf. auf Heizungs- bzw. Wasserrohre zu achten. Der Einbau von Wärmedämmung in die Dachschrägen wäre in diesem Fall zwar technisch möglich, aber wenig sinnvoll, da Wärmedämmung nur bei Temperaturunterschieden wirksam wird. Die Dachbodendämmung ist in der Regel mit dem erforderlichen Hintergrundwissen unkompliziert und auch für den Laien möglich.
#Dachgeschoss wird ausgebaut

Wird das Dachgeschoss oder Teile davon ausgebaut, wird am Besten die mit dem Ausbau entstehende Hüllfläche der später zu beheizenden Räume gedämmt. Stellen Sie sich vor, wo die Grenzflächen des Ausbaus liegen, denn hier gehört die Wärmedämmung hin.
Die Planung des Ausbaus beginnt mit der Festlegung des zu erreichenden Dämmniveaus (Dämmstoffstärke und Dämmstoff). Wenn man weiß, welcher Dämmstoff in welcher Stärke in Frage kommt und die Konstruktion klar ist, können die Innengrenzen des Ausbaus festgelegt werden.
Die Veränderung der Nutzung des Dachgeschosses bringt neue bauphysikalische Anforderungen mit sich. Durch die Beheizung steigt im Winter der Temperaturunterschied zwischen innen und außen. In den beheizten Räumen nimmt die Raumluftfeuchtigkeit zu. Die Wohnraum-Temperatur und der Anstieg der Luftfeuchte erfordern nun eine hohe Luftdichtheit der bewohnten Räume im Dachgeschoss.
Ist bereits eine Unterspannbahn aus Folien bzw. ein Unterdeckung aus Brettschalung mit Bitumenpappe bereits vorhanden, sind Kenntnisse über deren bauphysikalische Eigenschaften wichtig. Sie entscheiden über das weitere Vorgehen und den Systemaufbau der Wärmedämmmaßnahmen im Dach. Tiefer gehende Informationen dazu erhalten Sie im Thema: Unterdach, Vordeckung, Unterspanbahn
#Dachgeschoss ist ausgebaut

Ist das Dachgeschoss bereits ausgebaut und soll der Ausbau ohne Änderungen weiter genutzt werden, kann eine Verbesserung der Situation in der Regel nur durch eine Verlegung von Dämmstoffen von außen erfolgen. Hier kann der Laie allerdings nicht mehr viel tun, denn bei dieser Situation muss man aufs Dach. Hier wird entweder eine Aufsparrendämmung verlegt oder eine spezielle Art der Zwischensparrendämmung vorgenommen. In beiden Fällen muss die vorhandene Dachhaut (Ziegel, Schindeln, Brettschalung etc.) aufgenommen werden. Kommt eine Zwischensparrendämmung zum Einsatz ist eine feuchteadaptive Dampfbremse luftdicht über und zwischen den Sparren zu verlegen. Anschließend wird ein Dämmstoff (im Bild Mineralwolle) zwischen die Sparren eingebracht.