Außenwände verschiedener Ausführung: Welche ist die beste?
Welchem Wandaufbau gelingt es am besten, den Anspruch nach Wärme und Wohlbefinden und niedrigen Heizkosten zu erfüllen.
#Übersicht

- Die Außenwände eines Gebäudes schützen vor Witterungseinflüssen (Feuchteschutz, sommerlicher und winterlicher Wärmeschutz), bieten Sichtschutz, mindern Lärm und sorgen für Sicherheit und Brandschutz.
- Sie erfüllen in erster Linie eine statische Funktion, die durch verschiedene Baustoffe gewährleistet wird.
- Da Außenwände flächenmäßig den größten Anteil der Gebäudehüllfläche ausmachen, entscheiden gut wärmegedämmte Außenwände maßgeblich über die thermische Behaglichkeit und den Heizenergiebedarf.
- Moderne Außenwandkonstruktionen werden oftmals aus einem gut wärmedämmenden massiven Baustoff oder aus einer Tragwand mit einer zusätzlichen Wärmedämmung errichtet und dürfen nach dem Gebäudeenergiegesetz im Neubau und bei der Erneuerung im Altbau einen U-Wert von 0,24 W/m²K nicht überschreiten.
#Warum überhaupt Wärmedämmung der Außenwand?
#Die Analyse

Wärmebilder bringen es zum Vorschein: Mangelhaft gedämmte Gebäude verlieren viel Wärme über ihre Hüllflächen. Abgesehen von Hotspots, wie Fenstern, Glasbausteinen oder Heizkörpernischen sind daran die oberste Geschossdecke zum Dach, die Geschossdecke zum Keller, vor allem aber die Außenwände beteiligt. Eine 24 cm starke Normalziegelwand der 60er-Jahre zum Beispiel verursacht je nach Größe der Außenwandfläche anteilige Heizkosten von 30 % bis 50 %. Eine Außenwand mit 36 cm Ziegelmauerwerk ist nur geringfügig besser.
#Der Einfluss auf die Behaglichkeit
Im Abschnitt „Behaglichkeit und Bauphysik" habe ich beschrieben, welche Bedingungen für optimale Behaglichkeit wichtig sind. Eine entscheidende Größe ist die Höhe der Temperatur der Oberflächen eines Raumes. Für den Außenwandaufbau ergibt sich daraus eine zentrale Erkenntnis:
Um eine möglichst hohe Oberflächentemperatur zu erreichen, muss eine Außenwand im beheizten Bereich des Hauses eine von Wärmebrücken freie Wärmedämmung besitzen.
Nur wenn die Innenseite der Außenwand eine Temperatur nahe der Raumlufttemperatur hat, wird verhindert, dass die Raumluft an der Wand zu schnell abkühlt. Die Raumluft sinkt nicht mehr zu Boden („kalte Füße") und Zugerscheinungen im Wandbereich („es zieht im Nacken") werden vermieden. Wenn die Wandtemperatur nur geringfügig (maximal etwa drei Grad) unter der Raumlufttemperatur liegt, reduziert sich der Entzug von Strahlungswärme vom menschlichen Körper deutlich. Für die empfundene thermische Behaglichkeit ist dieser Vorgang der entscheidende Störfaktor. Bewohner versuchen meist unbewusst, diesen durch eine erhöhte Lufttemperatur im Wohnraum zu kompensieren.

#Das Schadenspotenzial
Kältere Wände besitzen einen weiteren, schwerwiegenden Nachteil, denn die Gefahr der oberflächlichen Durchfeuchtung durch Kondensation von Feuchtigkeit aus der Raumluft steigt. Insbesondere in Raumecken, hinter Schränken, oberhalb des Fensters oder in den Fensterlaibungen kann sich in der Folge Wohnraumschimmel festsetzen.
Bei hoher Oberflächentemperatur, erreicht durch gute Dämmung, sinkt die Gefahr von Feuchtigkeitsniederschlägen und Schimmelbildung auf den Wänden. Selbst bei geringem Luftwechsel wird die kritische Luftfeuchte von 80 % an der Wandoberfläche nicht erreicht.
#Die Heizkosten
Die Heizkosten eines Gebäudes hängen ab von:
- dem Alter, der Bauweise und der Größe des Hauses (Massivhaus, Fertighaus, Niedrigenergiehaus, Passivhaus);
- der Himmelsrichtung (Sonneneinstrahlung) und der vorherrschenden Windrichtung;
- der Größe der jeweiligen Bauteilflächen;
- der Konstruktion der wärmetauschenden Bauteile Wand, Decken, ...;
- der Qualität und Dicke der verwendeten Dämmstoffe;
- der Nutzung und den Gewohnheiten der Bewohner;
- der Art und Weise der Wärmeerzeugung (Wärmepumpe, fossile Brennstoffe).
Den größten Einfluss haben die Konstruktionen der wärmetauschenden Hüllflächen, die dabei verwendeten Dämmstoffe und ihre Luft- und Winddichtheit. Die verwendete Heiztechnik hat nur einen geringen Einfluss auf die Heizkosten, da alternative Techniken den Wärmebedarf des Hauses kaum ändern.
Häuser, die vor 1982 gebaut wurden (vor der 1. Wärmeschutzverordnung in der BRD), verfügen meist über schlecht gedämmte Bauteile. Das gilt besonders für Außenwände, selbst wenn sie 50 cm dick und aus Lehmziegeln, Stampflehm oder Naturstein bestehen. Solche Gebäude sind oft unbehaglich und sollten gedämmt werden!

- Besonders hohe Einsparungen werden erzielt bei der nachträglichen Wärmedämmung von Außenwänden aus schweren Steinen (hartgebrannte Ziegel, Klinker, Betonsteine, Natursteine).
- Eine Dämmung bringt auch bei Fachwerkwänden große Einsparungen und verringert bei sorgfältiger Ausführung die Gefahr feuchtebedingter Schäden an Holzbalken. Das gilt auch für die Dämmung der Außenwände älterer Fertighäuser.

#Wärmetechnische Verbesserung der Außenwände Altbau

Nachträgliche bzw. zusätzliche Wärmedämmungen der Hüllflächenbauteile besitzen unterschiedliche wirtschaftliche Effizienz. Während die Dämmung einer älteren obersten Geschossdecke sich meist innerhalb von 5 bis 10 Jahren amortisiert, braucht es bei einer Wärmedämmung der Außenwände meist 15 bis 25 Jahre, ehe sich die Investition „rechnet". Das ist nicht besonders motivierend. Doch diese Überlegung lässt die mit der Maßnahme verbundenen Verbesserungen der thermischen Behaglichkeit und der Verminderung des Bauschadensrisikos völlig außer Acht. Sich wohlzufühlen und kein Schimmelproblem zu haben, ist doch wohl ein guter Grund zu investieren.
Mehr zu den möglichen Dämmmaßnahmen finden Sie in den Abschnitten
Auch wenn Wandaufbauten ausschließlich aus Wandbausteinen akzeptable Behaglichkeit und geringen Heizenergieaufwand bieten, sind Konstruktionen mit zusätzlicher Wärmedämmung noch effizienter und behaglicher. Das gilt sowohl für den Neubau als auch für die Modernisierung.
#Erkenntnisse für den Neubau
Wer bauen will, steht vor der Frage, ob er sich für rein monolithisches Bauen, eine Außenwandkonstruktion mit zusätzlicher Wärmedämmung oder ein Fertigteilhaus entscheiden soll. Alle Bauweisen schaffen es theoretisch, die Forderungen an den Wärmeschutz zu erfüllen. Ist das auch praktisch der Fall?

Ich möchte hier die Konstruktion mit massiver Innenschale und zusätzlicher äußerer Wärmedämmung hervorheben.
Bei Wänden mit zusätzlicher Wärmedämmung sind Statik und Wärmeschutz getrennt. Ein beispielhafter Aufbau besteht aus einer 17,5cm starken Kalksandstein-Wand und einer zusätzlichen Außendämmung von 20 cm.
- Die innere Schicht besteht aus hochbelastbaren Steinen, bei denen Statik, Luftdichtheit und Schallschutz im Vordergrund stehen. Spezielle wärmegedämmte Steine sind nicht erforderlich. Die innere Schicht, z.B. aus Kalk-Sand-Steinen erfordert keine wärmebrückenfreie Präzision, die bei Konstruktionen aus nur einem speziellen Stein sonst nötig wäre. Ausführungsmängel der Steinwand verschlechtern die wärmedämmende Wirkung nicht!
- Die äußere Schicht besteht aus einem gut wärmedämmenden Material, wie z. B. Holzfaserdämmplatten, Schaumpolystyrol oder Mineralwolle und wird von spezialisierten Handwerkern wärmebrückenfrei ausgeführt. Durch diese klare Trennung wird der Bauablauf vereinfacht. Ausführungsmängel wirken sich nicht auf den Wärmedurchgang aus. Die Dämmung erfordert lediglich, dass das Mauerwerk bestimmte Maße einhält, damit die Dämmstärke überall voll wirksam ist. Detailzeichnungen des Architekten oder des Anbieters des Außenwand-Dämmsystems sollten vorliegen, um wärmebrückenfreie Anschlüsse zu anderen Bauteilen zu gewährleisten.
Gut und richtig wärmegedämmte Außenwände mit einer Mauerwerksschicht und zusätzlicher Wärmedämmung bieten folgende Vorteile:
- Verbesserte Behaglichkeit für die Bewohner durch Erhöhung der inneren Oberflächentemperaturen im Winter
- Verminderte sommerliche Aufheizung durch außenliegende Wärmedämmschicht
- Gleichmäßige Wohnraumtemperaturen durch hohe innere Speichermasse
- Vermeidung von Wärmebrücken
- Verhinderung von Tauwasserbildung und Schimmelpilzwachstum an der Wandinnenseite
- Minimierung thermisch bedingter Spannungen (Minderung der Rissbildung)
- Verbesserung des Bautenschutzes durch Verringerung der Beanspruchung durch Schlagregen (Fachwerk, Klinker, absandende Putze)
- Übersichtlicher Bauablauf mit Korrekturmöglichkeiten von Wärmebrücken
- Reduzierter Heizwärmeverbrauch in der Benutzung
- Verbesserung der Vermietbarkeit (Energieausweis, Heizkostenabrechnung)
- Wertsteigerung der Immobilie durch zeitgemäße Dämmung
#Wärmegedämmte Außenwände mit einer zusätzlichen Mauerwerksschicht

Wandkonstruktionen mit einer zusätzlichen äußeren Mauerwerkschicht bringen gegenüber Konstruktionen mit einer Wand plus Dämmung keine wärmetechnischen Vorteile, unabhängig davon, ob sie belüftet oder unbelüftet sind. Sie bieten jedoch Vorteile bei Wohnsituationen mit Belastungen durch Extremwetterlagen oder hoher Luftfeuchtigkeit im Gebirge oder an der See. Die äußere Schicht des insgesamt aus drei Schichten bestehenden Wandaufbaus wird oft mit Klinkern oder hinterlüfteten Fassadenelementen ausgeführt. Diese Wandaufbauten werden recht dick und schränken oft die Dämmstoffstärke zwischen beiden Mauern ein.
ausführlich in energytools.de Kerndämmung
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