Bauliche Mängel und ihre Beseitigung
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Schimmelbefall entsteht aus dem Zusammentreffen von für den Schimmel günstigen Bedingungen. Dabei spielen bauliche Mängel, insbesondere Wärmebrücken, eine große Rolle.

Bei nahezu allen Schimmelpilzfunden kam bzw. kommt es zu einem Befall, weil
- bauliche Mängel in Wohnungen,
- die Existenz wachstumsförderlicher Lebensbedingungen und
- nutzerbedingtes Fehlverhalten
in unterschiedlicher Ausprägung zusammentreffen. Einige bauliche Mängel können dabei so schwer wiegen, dass selbst bei gravierender Veränderung der Nutzergewohnheiten ein Schimmelbefall nicht ausgeschlossen werden kann. Die Bewohner können dann so intensiv heizen und lüften wie sie wollen, das Schimmelproblem bleibt bestehen. Ein fast in allen Wohnungen vorkommender Mangel besteht in der Existenz von Wärmebrücken. Besonders schwer davon betroffen sind Wohnungen und Häuser, die vor etwa 1984 errichtet worden sind. Neuere Häuser bzw. Wohnungen profitierten von der ab 1984 vorgeschriebenen Verbesserung der Wärmedämmung von Hausbauteilen. Jedoch sind auch in jüngeren Objekten zahlreiche Schimmelfälle nachweisbar. Dies liegt in aller Regel an Ausführungsmängeln.
Wärmebrücken sind Wege, auf denen die Wärme der Wände besonders schnell nach außen entweichen kann. Das trifft auf Bauteile zu, die aus massiven Baustoffen bestehen und eine ganz oder teilweise schwache oder fehlerhaft ausgeführte Wärmedämmung besitzen. Das Kennzeichen von Wärmebrücken ist eine lokal abgesenkte Oberflächentemperatur im Verhältnis zur durchschnittlichen Oberflächentemperatur der Wände. Eine typische Wärmebrücke ist eine Außenwandecke, deren problematische Wirkung nur im Winter bei geringen Außentemperaturen (-5°C) auftritt. Bei einer Raumtemperatur von 20°C kann auf solchen Oberflächen in der Raumecke eine Temperatur unter 10°C und weniger gemessen werden.


Die aus Außenwänden gebildete Raumecke ist deshalb eine Wärmebrücke, weil hier zwei Außenwände aufeinanderstoßen. Das bedeutet, dass einer geringen inneren Oberfläche eine große äußere Oberfläche gegenüberliegt. Diese Geometrie führt dazu, dass die Wärme der Wände an eine große, an der Außenluft abkühlende äußere Oberfläche abgeführt wird. Die Folge ist ein Absinken der Temperatur an der inneren Oberfläche, was sehr gut in einem Wärmebild einer Raumecke erkennbar wird.

Es gibt weitere Wärmebrücken in einer Wohnung, wie z. B. die Sturzträger der Fenster und Türen. Hier ist es das Material, das zu einer drastisch abgesenkten Oberflächentemperatur an der Innenseite führt. Oftmals bestehen Sturzträger in älteren Häusern aus einem ungedämmten Betonfertigteil oder einem Stahlträger, also Materialien, die die Wärme sehr gut von innen nach außen ableiten. Das gleiche trifft zu auf durchbetonierte Decken bei Balkonplatten (keine thermische Trennung) und betonierte Aussteifungen (aus statischen Gründen) in Außenwänden.

Bitte beachten Sie, dass auf den Wärmebildern, die von innen aufgenommen wurden, eine Wärmebrücke mit abgesenkter Temperatur (hier blau) angezeigt wird. Wärmebilder, die von außen aufgenommen wurden, zeigen eine in der Fläche befindliche Wärmebrücke mit erhöhter Oberflächentemperatur an (hier rötlich). Handelt es sich dagegen um eine Außenwandecke, wird die Oberfläche wegen ihrer großen wärmetauschenden Fläche kühler, also bläulich dargestellt.

Wärmebrücken finden wir auch bei neueren Häusern. Häufig sind es Ausführungsmängel bei monolithischen Gebäuden. Einige Wärmebrücken sind jedoch bereits in der Planung angelegt, weil der Entwurfsverfasser die Wirkung geometrisch oder konstruktiv bedingter Wärmebrücken unterschätzt hat. Sie lassen sich trotzdem weitgehend vermeiden.
Nachträglich kann die Wirkung vorhandener Wärmebrücken nur durch kompensatorische Maßnahmen, wie durch zusätzliche Wärmedämmung von außen oder innen, gedämpft werden.
#Warum schimmelt es gerade auf Wärmebrücken?
Über Wärmebrücken, also kühleren Stellen auf der Innenseite der Wand, finden Schimmelpilze die für das Wachstum erforderliche Raumluftfeuchte. Sie steigt in unmittelbarer Nähe zur Oberfläche der Wärmebrücke. Die Erklärung dafür finden wir in der besonderen Eigenschaft der Luft, die bei niedriger Temperatur weniger Wasserdampf aufnehmen kann als bei hoher Temperatur. Hat z. B. die Raumluft in der Mitte des Raumes eine Luftfeuchte von 50% bei einer Temperatur von 22°C, so bedeutet das, dass 50% der maximalen Aufnahmefähigkeit bei 22°C erreicht sind. Kühlt sich diese Luft ab, steigt die relative Luftfeuchtigkeit an, ohne dass Wasser "weggenommen" wird. Bei 19°C erreicht sie 60 %, bei 16°C schon 70% und bei 13°C sind es bereits 80%. Diese Abkühlung findet nur lokal über einer kühlen Wärmebrücke statt und zwar in dem Bereich, wo die Luft die Wärmebrücke berührt. Kühlt sich die Luft dort noch weiter ab, kann ein Zustand erreicht werden, bei dem ein Hygrometer 100% anzeigen würde. Bei diesem Zustand versucht die Luft den darin enthaltenen Wasserdampf in Form von Tröpfchen loszuwerden. Genau diese Situation erleben wir, wenn ein Spiegel beschlägt oder wenn es draußen nebelig ist. Bei diesen Bedingungen würde die Wand nass werden.
Aber 100% braucht der Schimmelpilz nicht. Einige Arten werden schon bei 70%, die allermeisten aber bei etwa 80% relativer Feuchte aktiv. Die Sporen keimen aus, es wird ein Myzel gebildet und der Schimmelpilz beginnt mit der Sporenbildung zu seiner Vermehrung. Die Wand kann dabei immer noch trocken sein.
Umgekehrt lässt sich aus der Lage des Schimmelbefalls die Lage der Wärmebrücke bzw. besonders niedrige Oberflächentemperaturen gut erkennen. Ist eine Wärmebildkamera oder ein einfaches Infrarotthermometer zur Hand, kann die Verteilung der Oberflächentemperaturen messtechnisch genau verfolgt werden. Das habe ich in "Abbildungen typischer Schimmelschäden" dargestellt, indem ich Wärmebilder den realen Bildern gegenübergestellt habe.

Die zu ziehenden Schlussfolgerungen sind klar. Man muss:
- die Oberflächentemperatur auf Wärmebrücken soweit erhöhen, dass die relative Luftfeuchte unmittelbar über der Wärmebrücke nicht auf die dargestellten Minimalwerte von 70 bis 80% ansteigen kann und/oder
- die relative Luftfeuchte unmittelbar über der Wärmebrücke auf Werte deutlich unter 70 % dauerhaft reduzieren. Die Raumluftfeuchte in Raummitte darf also etwa 55% nicht dauerhaft überschreiten.
ausführlich bei energytools.de: Vermeidung von Wärmebrücken, Link: www.energytools.de/hausbau-und-erneuerung/behaglichkeit-und-bauphysik/vermeidung-von-waermebruecken
Eine häufige Wärmebrücke stellen Sturzträger von Fenstern bzw. Türen dar. Sie wurden lange Jahre aus einem mit Stahl armierten Betonelement gefertigt und ohne zusätzliche Wärmedämmung eingebaut. Gelegentlich wurden auch Stahlträger oder Eisenbahnschienen verwendet, die eine sehr "gute" Wärmeleitfähigkeit besitzen und daher im Winter sehr kalt werden können.

#Wie lässt sich die Oberflächentemperatur erhöhen?
Mit sehr einfachen Mitteln oder Tricks lassen sich Wärmebrücken leider nicht beseitigen. Einige besonders kritische Wärmebrücken wie z. B. Außenwandecken, auf denen eine Betondecke liegt, der ober-, unter- und stirnseitige Dämmschichten gänzlich fehlen, verlangen in der Regel planungs- und kostenintensive Eingriffe in die Bausubstanz. Das geht eigentlich nur von außen. Daher kommt es für eine Eigenleistung durch Mieter kaum in Frage. Ihnen bleibt nur der Weg zum Vermieter, der gebeten werden kann, die den Schimmelbefall begünstigenden baulichen Mängel beseitigen zu lassen.

Mit Abstrichen bezüglich der Wirkung der Maßnahmen bleiben dennoch einige Möglichkeiten für Mieter und Eigentümer. Im Mietverhältnis muss der Vermieter trotzdem sein Einverständnis geben.
Möglich sind raumseitige Maßnahmen zur Erhöhung der Oberflächentemperatur, die in Eigenleistung vornehmbar sind. Voraussetzung bei allen Maßnahmen ist, dass die Wände bzw. Wandabschnitte trocken sind und bleiben.

- Der Einbau von Dämmkeilen in kalte Außenwandecken und in Ecken, die durch eingebundene Innenwände entstehen, kann Schimmelbildung dort unterbinden. Diese Maßnahme ist sicher und führt zur Verbesserung der thermischen Behaglichkeit, hat aber nur wenig Auswirkung auf den Heizwärmebedarf.
- Dämmkeile lassen sich auch in Fensterlaibungen, auf und unter dem Sturz einbauen, um die Oberflächentemperatur zu erhöhen. Dies ist eine sehr wirksame Methode, um den Schimmel aus dem Fensterbereich zu verbannen.
- Die Oberflächentemperat