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Dämmung der Außenwand: Macht das Sinn?

Die positiven Wirkungen der Dämmung von außen auf das Wärme- und Wohlbefinden, die Minderung des Bauschadensrisikos und die Entwicklung der Heizkosten.

#Übersicht

Außendämmung und Perimeterdämmung
Außendämmung und Perimeterdämmung
  • Die zusätzliche Wärmedämmung von außen verbessert die thermische Behaglichkeit der Bewohner und ist eine sehr effiziente Methode der Energieeinsparung.
  • Wärmebrücken können bei korrekter Planung und sauberer Ausführung vollständig vermindert werden, sodass damit im Zusammenhang stehende Bauschäden unterbleiben.
  • Die zusätzliche Wärmedämmung der Außenwände von außen benötigt keine speziellen Bauteile wie wärmegedämmte Stürze, Dämmelemente für Massivdecken oder Dämmschalen für Ringanker.
  • Die außenliegende Dämmung umhüllt die wärmespeichernde innere Schale, was zu einer stabilen Oberflächentemperatur führt. Das mindert die spannungsabhängige Rissbildung im Wandbereich.
  • Planungs- und Ausführungsfehler wirken sich auf die innere Mauerwerkschale kaum aus.
  • Nach dem schnellen Hochziehen der inneren Mauerwerkschale können Decken, Dachkonstruktion, Fenster und Türen schon eingebaut sowie der Innenausbau begonnen werden.

#Sinnvolle Dämmstoffstärke einer Dämmung von außen

Optimale Dämmstoffstärke zwischen 12 bis 25 cm
Optimale Dämmstoffstärke zwischen 12 bis 25 cm

Der Preis eines Dämmstoffes, seine Montageart, der Deckputz oder die Fassadenelemente und verschiedene erforderliche Nebenkosten (Dachüberstand, Laibungen, Egalisationsanstrich) bestimmen die Wirtschaftlichkeit einer Dämmmaßnahme. Ökonomisch sinnvolle Dämmstoffstärken liegen, auch unter dem Gesichtspunkt, dass eine Dämmung von außen bei richtiger Montage ein sehr langes Leben hat und sich ohne zusätzlichen finanziellen Aufwand nicht einfach aufstocken lässt, bei etwa 12 bis 25 cm. Noch stärkere Dämmstoffschichten sind bauphysikalisch problemlos möglich und ökologisch sinnvoll, erhöhen aber den finanziellen Aufwand deutlich (Tragkonstruktion). Auch ein zu geringer Dachüberstand, die Einbaulage der Fenster und Türen oder nachbarschaftsrechtliche Fragen können begrenzend wirken.

Vorschriften und Förderung
Bei genehmigungspflichtigen bzw. förderfähigen Projekten sind Forderungen des Gesetz- bzw. Zuwendungsgebers einzuhalten. Die Anforderungen des gültigen Gebäudeenergiegesetzes gelten als erfüllt, wenn der resultierende U-Wert der Außenwand nach der Dämmmaßnahme bei 0,24 W/m²K liegt. Dieser Wert ist bei einer Modernisierung je nach Ausgangslage mit einer Dämmstoffstärke von ca. 12 bis 16 cm erreichbar, wobei eine Wärmeleitfähigkeit des Dämmstoffes von 0,04 W/mK vorausgesetzt wird. Strebt man eine geförderte Außendämmung an, so ist ein U-Wert von maximal 0,20 W/m²K zu erreichen.

Der richtige Montagezeitpunkt für Wärmedämmung Fassade ist gekommen, wenn

  • die Außenhaut des Gebäudes erneuerungsbedürftig ist,
  • neue Fenster eingebaut werden,
  • der Heizenergiebedarf wegen geringer Wärmedämmung der Außenwände sehr hoch ist,
  • die Behaglichkeit infolge niedriger Oberflächentemperaturen stark zu wünschen übrig lässt und eine
  • hinterlüftete Fassade wegen hoher Wind- und Wetterbelastung angeraten wird.

#Wie wirkt sich eine Dämmung von außen auf die Wandtemperaturen aus?

Bei einem Wohnhaus mit einer Wandstärke von 24 cm, gebaut aus Normalziegeln, können wir bei einer Außentemperatur von -5 °C an der Innenseite der Wand 11,7 °C messen. In den Räumen wirkt es unbehaglich kalt, sodass die Raumlufttemperatur von 20 °C auf mindestens 25 °C erhöht werden muss. Eine zusätzliche Wärmedämmung von 14 cm Stärke (türkiser Streifen) hebt bei ansonsten gleichen Bedingungen die innere Wand-Oberflächentemperatur auf 18,5 °C an. Dadurch stellt sich hohe Behaglichkeit schon bei einer Raumlufttemperatur von ca. 21 °C ein.

Temperatur auf der Innenseite der 24er ungedämmten und der gedämmten Wand
Temperatur auf der Innenseite der 24er ungedämmten und der gedämmten Wand

Bei einem Wohnhaus mit einer Wandstärke von 36 cm, gebaut aus Normalziegeln, können wir bei einer Außentemperatur von -5 °C an der Innenseite der Wand 13,4 °C messen. In den Räumen wirkt es unbehaglich kalt, sodass die Raumlufttemperatur von 20 °C auf mindestens 24 °C erhöht werden muss. Eine zusätzliche Wärmedämmung von 14 cm Stärke (türkiser Streifen) hebt bei ansonsten gleichen Bedingungen die innere Wand-Oberflächentemperatur auf 18,6 °C an. Dadurch stellt sich hohe Behaglichkeit schon bei einer Raumlufttemperatur von ca. 21 °C ein.

Temperatur auf der Innenseite der 36er ungedämmten und der gedämmten Wand
Temperatur auf der Innenseite der 36er ungedämmten und der gedämmten Wand

#Zahlreiche Einwände berechtigt?

Mängel: Dübel-Wärmebrücke, Klebemörtel zwischen den Fugen, Putz zu rau
Mängel: Dübel-Wärmebrücke, Klebemörtel zwischen den Fugen, Putz zu rau

Die zusätzliche Wärmedämmung von Außenwänden ist leider bei einigen Menschen in Verruf geraten. Dabei wird oftmals unterstellt, dass diese Modernisierung unter anderem zulasten der Raumluftqualität geht, zu einer Veralgung des Außenputzes führt und Wohnraumschimmel hervorruft. Nun, ich denke, einige Befürchtungen haben vor allem damit zu tun, dass die Wirkungsweise einer zusätzlichen Wärmedämmung nicht verstanden wird. Dem für Dämmungen verwendeten Material werden Eigenschaften zugewiesen, die es nicht hat und die von der Bauphysik (als Wissenschaft) nicht bestätigt werden können. Der Dämmstoffindustrie wird vorgeworfen, die Dämmung erfunden zu haben, um Profit zu machen. Früher ging es doch auch ohne, sagen manche.

Bedauerlicherweise sind aber einige Argumente durchaus zutreffend:

Veralgung einer hinterlüfteten Fassade ohne Dämmung
Veralgung einer hinterlüfteten Fassade ohne Dämmung
  • Bei einer zusätzlichen Wärmedämmung der Außenwände kommt es auf der Nord- oder Nordwestseite eines Gebäudes häufig zu einer Veralgung des Putzes. Was ist die Ursache? Durch die Anbringung eines Dämmstoffes sinkt die Temperatur auf der Oberfläche des Sichtputzes, weil der Wärmestrom durch die Dämmschicht von innen nach außen stark gebremst wird. Durch die niedrigere Temperatur kommt es bei bestimmten Witterungsverhältnissen auf dem Putz zu einer Kondensation von Wasserdampf (Tröpfchenbildung) aus der Außenluft. Dieser kann sich lange in Putztaschen halten. Die Folge der niedrigeren Temperatur ist auch eine länger wirkende Befeuchtung als bei einem Gebäude ohne bzw. mit schwacher Dämmung (hier wird das Kondensat sozusagen „weggeheizt"). Die Tröpfchenbildung auf der gedämmten Fassade kann Algenwachstum begünstigen bzw. überhaupt erst ermöglichen. Aber: Eine Veralgung sehen wir auch auf nicht gedämmten Konstruktionen, z. B. auf hinterlüfteten Fassaden, die in Nord-West-Richtung schauen. Putztaschen können durch einen Egalisierungsanstrich beseitigt werden.
Eine mit hinterlüftbaren Schienen angebrachte Wärmedämmung funktioniert nicht
Eine mit hinterlüftbaren Schienen angebrachte Wärmedämmung funktioniert nicht
  • Bei nicht wenigen ausgeführten Dämmmaßnahmen kommt es nicht zur gewünschten Energieeinsparung bzw. zur Verbesserung der Behaglichkeit. Genauer hingeschaut, verstehen wir die Ursachen: Wenn der Dämmstoff so angebracht wird, dass er mit Außenluft hinterströmt werden kann (z. B. durch eine nur gelegentliche, punktförmige Verklebung), wird es Stellen bzw. Bereiche in der Außenwand geben, die schlicht nicht wirklich gedämmt sind. Die Außenluft kann von unten nach oben im Spalt zwischen dem Dämmstoff und der zu dämmenden Wand durch leichte Erwärmung aufsteigen. Das kann zu lokal stark abgekühlten Wandbereichen führen, die abgesenkte Oberflächentemperaturen an der Innenseite zur Folge haben. Dort kann es zu einer Befeuchtung durch kondensierende Raumluftfeuchtigkeit kommen, die nachfolgend eine Schimmelbildung hervorruft.
Durch fehlende Laibungsdämmung außen hervorgerufener Schimmelbefall
Durch fehlende Laibungsdämmung außen hervorgerufener Schimmelbefall
  • Zahlreiche Sanierungen mit einer Wärmedämmung der Außenwände führen zu einem Schimmelproblem, z. B. im Bereich der inneren Laibungen der Fenster und Türen. Grund ist meist eine nicht vorgenommene Dämmung der äußeren Laibungen infolge Platzmangels. Die Situation entsteht, wenn der Austausch von Fenstern und Türen vor der Außenwanddämmung vorgenommen wurde und der später notwendige Dämmstoffauftrag auf die äußeren Laibungen nicht mitbedacht wurde.

Ich wohne mit meiner Familie seit 1992 in gut gedämmten Häusern, meine Arbeit als Energieberater führte mich in Hunderte Wohnungen, gedämmte und ungedämmte. Mein Fazit: Zusätzliche Wärmedämmung ist unverzichtbar gegen Behaglichkeitsmängel, Bauschäden, Schimmelbildung, Zugerscheinungen und hohe Brennstoffkosten. Die Wärmedämmung ist ein persönlicher Beitrag zur Minderung des Ausstoßes klimarelevanter Gase. Alle durchaus ernst zu nehmenden Mängel einer ausgeführten Wärmedämmung lassen sich überwiegend auf Unkenntnis und schlampige Ausführung zurückführen.

Ehrlich gesagt, mir ist ziemlich unklar, wie es Kritiker der Wärmedämmung überhaupt schaffen, Gehör zu finden – denn nichts erscheint mir unlogischer als deren Argumentationen. Schließlich verfolgen wir mit der zusätzlichen Außendämmung eine ähnliche Absicht wie mit der Nutzung einer dicken und winddichten Winterjacke. Sobald es kalt geworden ist, holen wir die Jacke aus dem Schrank und schlüpfen hinein: in eine Hülle, die Körperwärme nicht nach außen lässt. Ebenso können Häuser eine wärmedämmende Hülle erhalten. Das ist doch ganz einfach. Niemand kommt auf die Idee, die wärmende Jacke nicht anzuziehen.

#Gegenteilige Meinungen über die Vorteile der Außendämmung

Zu einer zusätzlichen Wärmedämmung von Außenwänden sind die Meinungen jedoch merkwürdigerweise geteilt. Häufig habe ich mich mit zum Teil wütend hervorgebrachten Argumenten auseinandersetzen müssen, wie: „Es wird feucht, es schimmelt, die Brandgefahr steigt, der Taupunkt verschiebt sich nach innen, die Wände können nicht mehr atmen, usw. usf. …"

Einige Argumente gegen eine Außendämmung widerlegen sich mit wenig bauphysikalischem Wissen und gesundem Menschenverstand von selbst. Für andere, durchaus nachvollziehbare Argumente gibt es Alternativen, wie z. B. bei den eingesetzten Dämmstoffen. Niemand verlangt den Einsatz von Schaumpolystyrol als Dämmstoff. Alternativen wie Holzfaserdämmplatten sind ebenso wirksam. Eine Brandgefahr geht von einer Dämmung aus Mineralfasern nicht aus.

Wärmedämmung führt zu erhöhten Oberflächentemperaturen
Wärmedämmung führt zu erhöhten Oberflächentemperaturen

Eine funktionierende, bauschadensfrei bleibende Dämmung der Außenwände von außen ist also möglich, wenn ein geeignetes Dämm-System verwendet wird. Dazu sind Kenntnisse über die vorhandenen Wandaufbauten und ihre Eigenschaften notwendig.

Bei der Ausführung ist handwerkliches Geschick ebenso wie baufachliches Spezialwissen erforderlich. Die uneingeschränkte Einhaltung der Verarbeitungsvorschriften des Systemherstellers ist für die langjährige, schadensfreie Nutzung der Vorteile der Außendämmung entscheidend. Leider ist das größte Problem wohl der fehlende oder fehlerhafte Hintergrund von selbst ernannten „Baufachleuten" und deren gering entwickelte Bereitschaft, sich mit dem Thema intensiv zu beschäftigen. Anders kann ich mir die Fülle von Falschaussagen zum Thema nicht erklären.

#Dämmsysteme und Kosten für die Dämmung der Außenwände von außen

Abbildung Name/Link Kosten
Wärme-Dämm-Verbund-System (WDVS) mittlerer Preis pro m² von ca. 150 €
Wärmedämmung mit hinterlüfteter Fassade stark variierender Preis, System mit hinterlüfteter Fassade ca. 200 € /m²
Kerndämmung (Hohlwandmauerwerk) nachträgliches Einblasen der Dämmung in Hohlwandmauerwerk 45 bis 60 € pro m²
Dämmputz 40 und 90 Euro pro m², nur Material für 5 cm Stärke ca. 35–50 €

#Nachteile von außen wärmegedämmter Außenwände

  • Planung und Einbau von Fenstern und Türen erfordern bei einem Aufbau mit mehreren Schichten erhöhte Aufmerksamkeit (siehe: Einbau von Fenstern und Türen).
  • Spätere bauliche Änderungen am Haus sind aufwendiger.
  • Die Montage von Fallrohren, Lampen, Geländern etc. an der Außenwand wird durch die Dämmstoffe erschwert. Dafür gibt es aber einfache Lösungen.
  • Zusätzlicher Flächenbedarf (Straße, Gehweg, Nachbar)
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| Autor: now

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