Randausbildung massiver Geschossdecken
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Zur Randausbildung von massiven Geschossdecken und deren Einfluss auf Energieverbrauch, Behaglichkeit und Bauschadensfreiheit
#Übersicht

- Die wärmebrückenarme Randausbildung im Auflagerbereich von Geschossdecken spielt insbesondere im monolithischen einschaligen Massivhausbau eine wichtige Rolle.
- Bei monolithisch errichteten Gebäuden, z. B. aus Poroton-Hochlochziegeln, wird die Filigrandecke auf die gemauerte Wand aufgelegt und mit Beton auf Höhe gegossen. Die Stirnseite der Betondecke wird dabei mit Hilfe eines Dämmstoffs zur Außenseite hin abgedeckt. Diese Konstruktion kann bei mangelhafter Ausführung der Abdeckung mit Dämmstoff zu einer Wärmebrücke führen.
- Die Randausbildung muss daher sorgfältig geplant und ausgeführt werden, weil Wärmebrücken Behaglichkeitsstörungen und Bauschäden auslösen können.
#Wie sollte die Randdämmung ausgeführt werden?
Die Konstruktion und Ausführung der Randausbildung übt auf den Gesamtverbrauch von Heizenergie nur einen geringen Einfluss aus. Auf die empfundene Behaglichkeit und die Möglichkeit von Bauschäden können Mängel jedoch erheblichen Einfluss haben. Das gilt für in der Fläche gedämmte Decken (Decke ist Trennfläche zwischen einem beheizten und unbeheizten Bereich) als auch für in der Fläche ungedämmte Decken (Decke ist Trennfläche von beidseitig beheizten Bereichen) gleichermaßen.
Die Deckenauflager massiver Decken, z. B. auf Ziegelmauerwerk, sollen so ausgeführt werden, dass Wärmebrücken möglichst geringe Auswirkungen haben (DIN 4108 Beiblatt 2). Dazu sind die Stirnseiten der Decken entsprechend lokal zu dämmen, wenn keine zusätzliche Außendämmung über der gesamten Wand angebracht wird. Sicher, aber aufwändig ist es, bei monolithischem Mauerwerk die Deckenstirnseite mindestens in der Höhe eines weiteren Steines oberhalb und unterhalb zu überdämmen, so wie im Bild dargestellt. Mit dieser Ausführung wird die Wärmebrücke entsprechend „verlängert". Die Oberflächentemperaturen an der Innenseite der Außenwand kurz ober- bzw. unterhalb der Decke steigen.

#Welche vermeidbaren Mängel treten auf?
Die Wärmebilder zahlreicher Gebäude mit Massivdecken zeigen in eindrucksvoller Weise, dass die alleinige Dämmung in der Höhe der Deckendicke nicht ausreicht.

Solche Wärmebilder haben in der Regel eine Ursache: Die Stirnseite der Decke ist nicht, nur halbherzig oder lediglich in der Höhe der Decke selbst gedämmt. Daraus resultiert eine relativ kurze Wärmebrücke über den oberen bzw. den unteren Stein.

Ersichtlich wird, wie sich eine fehlerhaft ausgeführte Randdämmung auf das Absenken der inneren Oberflächentemperatur auswirkt. Kommt erhöhte Raumluftfeuchtigkeit in der betreffenden Wohnung dazu, ist eine oberflächliche Befeuchtung der betreffenden Wandabschnitte und Schimmelbildung kaum vermeidbar.
So habe ich Schimmelstreifen im Fußleistenbereich über einer massiven Geschossdecke gelegentlich auch dann gefunden, wenn die Decke von unten gut gedämmt war. Die Ursache des Schimmelbefalls ist eine zu niedrige Oberflächentemperatur an den betreffenden Stellen auf der Innenseite der Außenwand wegen fehlender, unzureichender oder falsch angebrachter Wärmedämmung der Stirnseite einer Betondecke.

Besonders hohe Wärmeverluste, verbunden mit einem hohen Schadenspotenzial, finden wir bei aufgelegten Decken, die überhaupt keine Dämmung auf der Stirnseite aufweisen. Sie führen zu einer verstärkten Auskühlung des Deckenrandbereichs und der Mauerabschnitte kurz oberhalb und unterhalb einer Massivdecke. Dadurch sinkt die Oberflächentemperatur auf der Innenseite der Außenwand auf unter 10 °C. Schimmelbildung kann die Folge sein.



#Zweischalige Wandaufbauten und gedämmte Wände mit hinterlüfteter Fassade

Bei einer zweischaligen Wandkonstruktion mit Dämmung spielt die Randausbildung von massiven Geschossdecken keine Rolle. Hier kann die zusätzliche stirnseitige Dämmung der Geschossdecke entfallen, weil diese Aufgabe die ohnehin verlegte Dämmung mit übernimmt. Das gilt auch für die Wärmedämmung der Außenwand von außen mit hinterlüfteter Fassade. Eine Wärmedämmung der Stirnseite der auf der Innenschale aufgelegten Betondecke ist nicht erforderlich.
#Mängelabstellung
Leider gibt es bei fehlender oder mangelhafter Dämmung der Stirnseite keine einfachen und preisgünstigen Lösungen:
- Eine zusätzliche Außendämmung (WDVS oder mit hinterlüfteter Fassade) über die gesamte Außenwandfläche könnte alle vorhandenen Wärmebrücken kompensieren und ein Schimmelproblem nachhaltig beseitigen. Um eine Wärmedämmung von außen richtig auszuführen, lesen Sie bitte den Artikel: Wärmedämmung der Außenwand von außen.
- Eine Minderung der Wärmebrückenwirkung durch Anhebung der Oberflächentemperaturen kann mit Dämmkeilen erreicht werden. Eine nennenswerte Heizkostenersparnis ist damit nicht verbunden, jedoch wird sich die empfundene Behaglichkeit verbessern und die Gefahr einer Schimmelbildung verringern. Konkrete Informationen zum Nutzen und zur Anwendung von Dämmkeilen finden Sie hier.
- Eine komplette Innendämmung mit Einsatz von Dämmkeilen an den Flanken würde neben der Behaglichkeit auch die Heizkostenbilanz verbessern. Bei richtiger Ausführung der Innendämmung ist die Schimmelbildung ausgeschlossen. Dazu finden Sie weitergehende Informationen unter Wärmedämmung der Außenwand von innen.
- Wenn Bauherrinnen und Bauherren schon in der Planungsphase eines Hausneubaus Einfluss nehmen können, ist das Problem konstruktiv lösbar.
Alle Tätigkeiten an Dämmschichten sollten von einem fachkundigen Baubetreuer überwacht werden.
#Mein Fazit
- Vieles spricht für einen einschaligen, massiven Aufbau mit zusätzlicher Dämmschicht oder zweischaligen Wandaufbau mit Kerndämmung, da hier die zurückgelassenen Wärmebrücken aus der Maurerphase einfach kompensiert werden.
- Die bei der stirnseitigen Dämmung der Geschossdecke benötigten Dämmstreifen können bei einem Aufbau mit zusätzlicher Dämmschicht entfallen, was die Arbeiten vereinfacht und die Fehlerquellen minimiert.
- Bei einer zweischaligen Wandkonstruktion mit Kerndämmung ist die stirnseitige Dämmung unnötig, wenn die Decke nur auf der inneren Schale liegt.
- Auch sind keine speziellen Steine mit höherer Druckfestigkeit bzw. verschiedene Steinmaße erforderlich.
- Die Gefahren, die mit Wärmebrücken in Verbindung stehen, sinken beträchtlich.