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Wärmedämmverbundsystem WDVS: Kosten, Aufbau, Erfahrungen

Alles zum Wärmedämmverbundsystem (WDVS), Aufbau, geeignete Dämmstoffe, Tipps zu Ausführung und Details sowie Hinweise zu vermeidbaren Fehlern.

#Übersicht

Außenwanddämmung Prinzip
Außenwanddämmung Prinzip
  • Ein Wärmedämmverbundsystem (WDVS) ist eine von außen an der Außenwand angebrachte Wärmedämmung. Dazu wird ein geeigneter Dämmstoff auf die Wand geklebt und eventuell gedübelt. Abschließend wird auf dem Dämmstoff ein spezieller, mit einer Gewebearmierung versehener Putz aufgezogen und mit einem Edelputz und einem Egalisationsanstrich abgeschlossen.
  • Durch die zusätzliche Wärmedämmung verringert sich der Abfluss von Heizwärme durch die Wand. Infolgedessen steigt die innere Oberflächentemperatur im Winter, was zu erhöhter Behaglichkeit und zu verringerten Heizkosten führt. Die Gefahr einer Schimmelbildung sinkt. Im Sommer verbessert sich die Behaglichkeit durch verringerte Aufheizung.
  • Ein WDVS ist für Altbauten ebenso wie für Neubauten gleichermaßen gut geeignet, weil es die meisten am Bau vorkommenden Wärmebrücken wirkungsvoll überdecken kann.
  • Ein WDVS wird vom Deutschen Institut für Bautechnik geprüft und allgemein zugelassen, sodass im System nur die geprüften Bestandteile verwendet werden dürfen.
  • Die wirtschaftlich optimale Dämmstoffstärke beträgt gegenwärtig etwa 14 cm, was den gesetzlichen Vorgaben (0,24 W/m²K) entspricht. Die Wirtschaftlichkeit ist eng verknüpft mit der Entwicklung der Energiepreise.
  • Die Kosten für das Material und die Montage liegen bei etwa 180 €/m². Die insgesamt hohen Gesamtkosten sind stark abhängig von der Anzahl der Fenster und Türen, den Vor- und Rücksprüngen und weiteren Nebenarbeiten.

#Wie ist der Aufbau eines WDVS?

Schnitt durch ein Wärmedämmverbundsystem
Schnitt durch ein Wärmedämmverbundsystem

#Geeignete Dämmstoffe für das WDVS

Dämmstoff Wärmeleitfähigkeit in W/mK Brandschutzklasse Link
EPS Hartschaum-Dämmplatten PS15, PS20 0,032 bis 0,040 B1 link
XPS Hartschaum-Dämmplatten (für erdreichberührende Bereiche) 0,032 bis 0,040 B1 link
Mineralfaser-Dämmmatten 0,035 bis 0,040 A1, A2 link
Mineralschaum-Dämmplatten 0,045 bis 0,050 A1 link
Glasschaum-Dämmplatten (für erdreichberührende Bereiche) 0,040 bis 0,060 A1 link
Polyurethanschaum-Dämmplatten 0,024 bis 0,032 B1, B2 link
Holzfaser-Dämmplatten 0,045 bis 0,050 mit Putz B1 link
Holzwolleverbund-Dämmplatten 0,04 – 0,09 B1 link
Schilfrohr-Dämmplatten 0,055 bis 0,070 mit Putz B1 link
Korkschrot-Dämmplatten 0,045 bis 0,055 mit Putz B1 link

#Häufig eingesetzte Dämmstoffe für Neubau und Sanierung

#WDVS mit Schaumpolystyrol

WDVS mit 20 cm starken Styropor-Platten, geklebt
WDVS mit 20 cm starken Styropor-Platten, geklebt

#WDVS mit Mineralwolle (auch als Brandriegel)

WDVS mit Mineralwolledämmung als Brandriegel oberhalb einer Schicht aus grauem Polystyrol-Schaum
WDVS mit Mineralwolledämmung als Brandriegel oberhalb einer Schicht aus grauem Polystyrol-Schaum

#WDVS mit Holzfaserdämmplatten

WDVS mit zweischichtigen Holzfaserdämmplatten, Abb.: Udi-Dämmsysteme
WDVS mit zweischichtigen Holzfaserdämmplatten, Abb.: Udi-Dämmsysteme

Bei einem WDVS mit Holzfaserdämmplatte, z. B. dem Dämmsystem UdiRECO von Udi-Dämmsysteme, wird zunächst die zweischichtige Holzfaserdämmplatte in einer Stärke von 80–200 mm mit Dübeln befestigt (es wird nicht geklebt, somit spielt die Haftfestigkeit auf dem vorhandenen Putz keine Rolle). Anschließend erfolgt eine Beschichtung mit einem Grundspachtel unter Einbettung eines Armierungsgewebes. Danach wird ein spezielles Putzsystem als Kratz-, Reibe- oder Feinputz aufgetragen. Zum Schluss kann ein Farbanstrich aus einem speziellen Sortiment gewählt und aufgebracht werden.

#Welche speziellen Voraussetzungen verlangt ein WDVS bei der Sanierung?

Im Sanierungsfall muss geprüft werden, ob der Altputz ausreichend tragfähig ist, also nicht abfällt bzw. absandet und mit dem genutzten Kleber für die Dämmplatten zurechtkommt. Ist der vorhandene Außenputz tragfähig, kann der Dämmstoff nach einer eventuellen Säuberung (Hochdruckreinigen) direkt auf den Putz geklebt werden. Die Anwendung eines Putzverfestigers ist eventuell hilfreich. Ist der Putz brüchig und haftet er nicht mehr auf dem Mauerwerk, muss er abgeschlagen werden. Anschließend wird die Ziegelwand mit einer Mörtelschicht egalisiert bzw. stabilisiert. Bei Zweifeln an der Tragfähigkeit und bei bestimmten Voraussetzungen müssen die Dämmstoffe mit speziellen Dübeln zusätzlich befestigt werden.

#Das A und O der Montage des WDVS

Unabhängig vom gewählten Dämmstoff und davon, ob es sich um einen Neubau oder eine Sanierung handelt, ist die Art und Weise der Befestigung des Dämmstoffes nahezu gleich und von zentraler Bedeutung. Grundsätzlich ist darauf zu achten, dass die Montage so erfolgt, dass sie

  • den mechanischen Halt der Dämmplatte sichert,
  • die spätere Belastung aus aufgebrachtem Putz, eventuell aufgeklebten Klinkerplatten und witterungsabhängigen Belastungen (Wind) aufnehmen kann und
  • eine Hinterströmung der Dämmplatten mit Außenluft verhindert.

Besonders der letzte Aspekt ist für die spätere behaglichkeitsfördernde und bauschadensfreie Wirkung des Dämmsystems entscheidend.

#Kleben mit Wulst-Punkt-Methode

  • Geklebt werden kann mit zum System gehörenden mineralischen Klebern oder mit speziellem PU-Schaum. Das hängt auch vom Dämmstoff ab und ist Bestandteil der Verarbeitungsvorschrift.
  • Die geeignete Klebemethode wird auch als Wulst-Punkt-Methode bezeichnet. Die Klebewulst wird unabhängig davon, ob mit mineralischem Kleber oder PU-Schaum-Kleber gearbeitet wird, an der Außenkante der Dämmplatten umlaufend aufgetragen. Drei bis vier Klebepunkte werden zusätzlich in die Mitte gesetzt, um den Schallschutz zu verbessern.
    Klebebild umlaufende Klebewulst mit drei Klebebatzen im Zentrum
    Klebebild umlaufende Klebewulst mit drei Klebebatzen im Zentrum
  • Mit der Wulst-Punkt-Methode wird erreicht, dass die wärmedämmenden Platten an den Rändern richtig eingespannt sind und nicht „schüsseln". Das ist besonders bei Schaumpolystyrol wichtig, das die Neigung zum Schrumpfen hat. Mindestens 40 % der Fläche des Dämmstoffes sollen mit der Wand verklebt sein.
  • Die Wulst verhindert auch die Hinterströmung mit Außenluft. Die unweigerlich hinter jeder angeklebten Platte entstehenden, mit Luft gefüllten Hohlräume dürfen luftseitig nicht miteinander in Verbindung stehen. Die umlaufende, geschlossene Wulst schließt ruhende Luft ein, was für die zusätzlich dämmende Wirkung der Luft ausschlaggebend ist. Anderenfalls, also dann, wenn ausschließlich punktweise geklebt wird, ist eine vertikale Luftbewegung möglich. Von unten einströmende Kaltluft kann sich an der Wand erwärmen und durch die Thermik nach oben steigen. Diese Strömung kann die beabsichtigte wärmedämmende Wirkung erheblich beeinträchtigen, im Extremfall sogar ganz aufheben.
    Das Wulst-Punkte-Verfahren (rechts) verhindert das Schüsseln und die Hinterströmung (links!)
    Das Wulst-Punkte-Verfahren (rechts) verhindert das Schüsseln und die Hinterströmung (links!)
  • Mineralische Klebemasse kann bei sehr ebenen und geraden Untergründen auch ganzflächig mit einem groben Zahnspachtel aufgebracht werden. Bei dieser Methode ist jedoch das Ausrichten der Dämmstoffplatten schwieriger, weshalb ich sie nicht empfehle.

#Dübeln

Tellerdübel zur zusätzlichen Befestigung der Wärmedämmstoffe stellen eine Wärmebrücke dar
Tellerdübel zur zusätzlichen Befestigung der Wärmedämmstoffe stellen eine Wärmebrücke dar.

Ob auch gedübelt werden muss, hängt vom Untergrund, der Höhe des Gebäudes und der Windbelastung ab und geht aus den Verarbeitungsrichtlinien des Systemherstellers hervor. Wird gedübelt, indem ein Tellerdübel in ein gebohrtes Loch geschlagen wird, stellt der Dübel eine wenn auch kleine Wärmebrücke dar.

Dämmstoffscheibe gegen die Wärmebrücke Tellerdübel
Dämmstoffscheibe gegen die Wärmebrücke Tellerdübel

Auf den Teller gehört daher eine etwa 20 mm starke Dämmstoffscheibe. Bevor der Tellerdübel eingeschlagen wird, muss mit Hilfe eines Fräswerkzeuges etwa 20 mm im Durchmesser des Dübeltellers ausgefräst werden. Nach dem Einschlagen wird die Dämmstoffscheibe form- und kraftschlüssig eingedrückt.

Klebeanker
Klebeanker

Ein anderes Verfahren mit sogenannten Klebeankern vermeidet von vornherein Wärmebrücken durch Dübel. Dazu werden zunächst Klebeanker an der Wand befestigt, die ähnlich wie Tellerdübel aussehen. Es kommt nun darauf an, die Klebemasse auf dem Dämmstoff so zu verteilen, dass beim Andrücken Klebemörtel den Klebeanker umschließt.

Mörtelbatzen auf dem Klebeanker auftragen, danach die Dämmplatte mit der umlaufenden Mörtelwulst ansetzen
Mörtelbatzen auf dem Klebeanker auftragen, danach die Dämmplatte mit der umlaufenden Mörtelwulst ansetzen.

Bei Holzfaserdämmplatten mit einer inneren Holzweichfaserschicht wird die Hinterlüftung auch bei zerklüftetem Mauerwerk durch einen vergleichsweise hohen Anpressdruck weitgehend unterbunden. Diese Platten werden ausschließlich mit Dübeln befestigt.

Udi-Dämmsystem: Eine Hinterlüftung wird dank der inneren Holzweichfaserschicht ausgeschlossen
Udi-Dämmsystem: Die Hinterlüftung wird dank der inneren Holzweichfaserschicht ausgeschlossen.

#Stumpfstoßend, mit Stufenfalz oder Nut-Feder-Verbindung?

  • Wärmedämmplatten aus Mineralwolle o. Ä. werden im Allgemeinen stumpfstoßend verlegt.
  • Styropor- bzw. Styrodur-Dämmplatten werden auch mit Nut-Feder- oder Stufenfalzverbindung angeboten, was die Verlegearbeit erleichtern soll. Allerdings ist das rechtwinklige Einschieben und Einklopfen der stumpfstoßenden Dämmplatte weniger belastend für die bereits angeklebten Elemente. Für die Festigkeit (Abriss der bereits angeklebten Platten durch Verkantungen) kann dies Auswirkungen haben. Daher sollte nach meiner Meinung auch bei Styroporplatten die stumpfstoßende Platte Verwendung finden. Bei der Verarbeitung darf kein mineralischer Kleber in die Fuge geraten, da diese Wärmebrücke später zu einem sichtbaren Mangel führt.
  • Bei Dämmplatten aus zweischichtigem Holzfaserdämmstoff wird nur gedübelt – hier spielen die Auswirkungen der Kantengestaltung eine untergeordnete Rolle. Nut-Feder-Verbindungen sind hier technologisch sicherlich günstiger.

#Klebewulst weglassen?

Es gibt Montagebetriebe, die die umlaufende Kleber-Wulst ganz bewusst weglassen. Als Grund wird von ihnen angegeben, dass die entstehende vertikale Belüftung wichtig sei für die Vermeidung von Schimmelpilz. Diese Argumentation ist bauphysikalisch unhaltbar, eine solche Ausführung kontraproduktiv. Diese Montageart verstößt auch gegen die Verarbeitungsrichtlinien der mir bekannten Anbieter.

Der Wärmedämmstoff wird nicht hinterlüftungsfrei von Schienen gehalten
Der Wärmedämmstoff wird nicht hinterlüftungsfrei von Schienen gehalten

Verfahren, bei denen die Dämmplatten trocken in aufgeschraubte Schienensysteme eingesetzt werden, sind ebenso nicht empfehlenswert. Eine Hinterströmung kann bei dieser Montageart praktisch nicht verhindert werden.

#Schimmelpilz trotz äußerer Wärmedämmung?

Leider hat im Bauhandwerk lange Zeit die Auffassung geherrscht (und dies hält sich teilweise immer noch), dass wärmegedämmte Konstruktionen nur mit einer gezielt herbeigeführten Hinterlüftung des Dämmstoffes trocken und somit bauschadensfrei bleiben würden. Aus dieser Überlegung resultierte eine auch von Baufachleuten vertretene Montageart, bei der der Dämmstoff mit einem Abstand von einigen Zentimetern vor die zu dämmende Wand angebracht wurde. Unten wurden Einströmöffnungen, oben Ausströmöffnungen vorgesehen. Der so gebildete Luftspalt sollte eine Hinterspülung mit kalter Außenluft zur Abfuhr der von innen nach außen diffundierenden Feuchtigkeit ermöglichen. Jedoch wird mit dieser Maßnahme das Gegenteil erreicht. Die erhoffte wärmedämmende Wirkung stellt sich nicht ein, da die vertikal strömende kalte Außenluft die Außenwand auskühlt. Dieser Vorgang kann zu einer erheblichen Durchfeuchtung auf der Innenseite der Wand infolge Unterschreitung der Taupunkttemperatur führen. Dieser Vorgang kann zur Schimmelbildung auf der Innenseite der Außenwand führen. Das ist ein Grund, warum das Wärmedämmverbundsystem bei zahlreichen Bauherren einen schlechten Ruf genießt.

Egalisierung zerklüfteter Ziegeloberflächen im Obergeschoss, unten Holzfaserdämmplatten, Abb.: Udi-Dämmsysteme
Egalisierung zerklüfteter Ziegeloberflächen im Obergeschoss, unten Holzfaserdämmplatten, Abb.: Udi-Dämmsysteme

Zur Vermeidung von Wärmebrücken ist darauf zu achten, dass kein Mörtel in die Fuge der Dämmplatten bzw. den Stoß gelangt.

Und hier geht es zur WDVS-Montage in Bildern: Was zu beachten ist

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| Autor: now

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